250 Dinge, die wir an der Region mögen (38): Die Schwupp bei Philippsthal

Mehr als nur eine Brücke

Kein Durchgang: Die Schwupp bei Philippsthal ist derzeit wegen Baufälligkeit gesperrt. Bald soll man auf der kleien Brücke wieder die Ulster überqueren können. Foto: Eisenberg

Philippsthal. Für Außenstehende scheint es nur eine Flussquerung zu sein. Die Philippsthaler nennen die kleine Brücke liebevoll Schwupp – und knüpfen an sie zahlreiche Erinnerungen. Über ein Wehr hinweg verbindet die Schwupp die beiden Ufer des Flüsschens Ulster.

Während das Wasser der Ulster oberhalb geradezu träge dahinzufließen scheint, rauscht es auf der anderen Seite schäumend das künstliche Hindernis hinab. Nur über Fußpfade ist die kleine Brücke, die direkt an der Landesgrenze zwischen Philippsthal und dem thüringischen Unterbreizbach liegt, erreichbar. Trotzdem war sie seit jeher eine von Fußgängern und Radfahrern stark frequentierte Verbindung zwischen beiden Orten. Vor der Grenzziehung ebenso, wie nach dem Fall der Mauer. Da war die Schwupp die schnellste begehbare Fußverbindung zwischen den Nachbardörfern. Das blieb auch so, nachdem in der Folgezeit die Straßen und Radwege zwischen beiden Orten ausgebaut wurden.

Seit einiger Zeit versperren allerdings Baustellengitter den Zugang. Die Brücke ist sanierungsbedürftig. Und fast wäre die Schwupp vollständig aus dem Ulstertal verschwunden. Der Abriss war schon beschlossen.

Der Philippsthaler Hans Pforr und mehrere Unterbreizbacher hatten sich allerdings für den Erhalt stark gemacht. Dabei war aufgefallen, dass der überregionale Wanderweg „Grünes Band“ über die Brücke verläuft. Zu dessen Erhalt hatte sich die Gemeinde vertraglich verpflichtet.

Für knapp 72 000 Euro soll die Schwupp jetzt saniert werden. 32 234 Euro kommen aus dem Leader-Programm der Europäischen Union. Schon im vergangenen Sommer sollten die Arbeiten beginnen. Getan hat sich allerdings noch nichts. Zeitgleich mit der Brückensanierung will Kali und Salz als Ausgleichsmaßnahme eine Fischtreppe errichten. Das Genehmigungsverfahren dafür habe sich verzögert, heißt es aus der Philippsthaler Gemeindeverwaltung. Im Frühjahr soll es jetzt aber losgehen. Woher die Schwupp ihren Namen hat, ist unklar. Ältere Ortsbewohner erinnern sich, dass dort früher die Ulster aufgestaut wurde, um über ein Grabensystem die umliegenden Wiesen zu bewässern. Andere meinen, dass Wehr und Brücke für den Kalibergbau errichtet wurden. Wann das geschah, ist ebenfalls nicht bekannt, nach Schätzungen dürfte dies um 1920 geschehen sein.

Für viele Philippsthaler und Unterbreizbacher dürfte das allerdings nebensächlich sein. Sie freuen sich, wenn ihre Schwupp wieder passierbar ist.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare