Beim Wort genommen: Neue Schau über Redewendungen und Sprichwörter im Museum „wortreich“

Maus, Faden und Klammerbeutel

Neu kombiniert: Julia Körnig (links) und Yvonne Spyt bauen mit dem Sprichwortmixer neue Lebensweisheiten zusammen. Foto:  Fraschke

Grundlegende Lebenserkenntnisse, in ein paar Worten auf den Kern gebracht: Das sind Sprichwörter. Viele Kinder wachsen damit auf, dass die Altvorderen sie ihnen einbimsen.

Irgendwann im Laufe des Erwachsenwerdens kommt dann aber der Moment, wo man am eigenen Leib erlebt, welche Wahrheit in dem Satz doch steckt, den man bis dahin als verstaubten Tantenkram abgetan hat.

Sprichwörtern und Redewendungen ist die neue Ausstellung im „wortreich“ in Bad Hersfeld gewidmet. Wie es zum Erlebnismuseum passt, geht es bei vielen der 50 Exponaten interaktiv, lustig und kommunikativ zu. Besucher können eine Nadel im echten Heuhaufen suchen, sie können ein Kreuzworträtsel ausfüllen, eine Redensart blind ertasten und den Sprichwortmixer betätigen, der mit seinen großen orangefarbenen Würfeln mitten im Raum auf Neugierige wartet.

Die neuen Weisheiten, die da zusammengestellt werden können, führen auf mal lustige, mal auf nachdenkenswerte Gedankenpfade. Etwa so:

Stille Wasser sind Glück.

Hochmut ist der beste Arzt.

Aller Anfang zieht mit den     Jahren.

Der Zweck heilt selten allein.

Das „wortreich“ hat für die Ausstellung „Beim Wort genommen ... Sprichwörter und Redewendungen neu entdecken“ mit dem Bad Hersfelder Verein Förderkreis Museum zusammengearbeitet.

Bäuerlicher Alltag

Dessen Vorsitzender Berthold Schmidt hat die Schau mit historischen Exponaten aus dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag bestückt, aus dem heraus sich viele Redensarten entwickelt haben. Die Schlösser, Bänke, Spinnräder, Mausefalle mit Faden und andere Objekte sind mit Erklärkarten versehen, die das Gerät beschreiben und die Herkunft des Sprichworts erläutern (siehe Beispiele unten). Das ist oft spannend und aufschlussreich, denn viele Menschen kennen sich nicht mehr mit Spinnerei oder Getreideverarbeitung aus. Manchmal ist es aber auch platt (Klotz an ein Plastikbein gebunden = Klotz am Bein).

Auf die Brüder Grimm als Sprichwortsammler und auf Redensarten, die aus Grimmschen Märchen stammen, weist außerdem eine große Wandtafel ausführlich hin.

In „Rapunzel“ bittet etwa Rapunzels Vater „Lasst Gnade vor Recht ergehen“, der Vater im Froschkönig verlangt „was du versprochen hast, musst du auch halten“. Und dem tapferen Schneiderlein läuft nicht etwa eine Fliege, sondern eine „Laus über die Leber“.

Von Bettina Fraschke

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