IHK-Regionalchef kritisiert die Wirtschaftspolitik der schwarz-gelben Regierung – FDP-Minister Hahn verspricht zu helfen

Massive Kritik: Leist liest Liberalen die Leviten

Machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: Unternehmer Heinrich Leist. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Von wegen Sommertour! Es war eher ein Sommergewitter, das da über Justizminister Jörg-Uwe Hahn bei seinem Besuch der Firma Leist Oberflächentechnik hereinbrach. Eigentlich macht der Unternehmer in Schrauben, die er für die Automobilindustrie veredelt und zuliefert, gestern aber nagelte Leist die Versäumnisse der schwarz-gelben Landesregierung ans Kreuz und las dem liberalen Vize-Ministerpräsidenten Hahn die Leviten.

„Die Politiker vergehen sich an unserer Region, ihre Entscheidungen sind uns abträglich“, zürnte Leist, dessen Firma in Hersfeld, Thüringen und Tschechien über 400 Mitarbeiter beschäftigt. Vor allem die Absage an den Bau einer Autobahn vom Hattenbacher Dreieck ins Ruhrgebiet schade angesichts des Baus der A 44 der Region. „Logistiker werden sich künftig zweimal überlegen, ob sie sich hier noch ansiedeln wollen“, prophezeite Heinrich Leist, der Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses ist und somit auch als Sprachrohr der heimischen Wirtschaft fungiert.

„Es ist wie bei einer Schallplatte – alles geht rundum, nur wir sind das Loch in der Mitte“, sagte Leist und machte den „so genannten Wirtschaftsminister“ Dieter Posch für diverse „Fehlentscheidungen“ zulasten des Kreises Hersfeld-Rotenburg verantwortlich. Übel nehmen die heimischen Unternehmer Posch zudem die kurzfristige Absage eines Gesprächstermins vor einigen Monaten.

Stärkung der Region

Eindringlich appellierte Leist an Hahn, sich für eine Stärkung der Region einzusetzen. „Schulen und Kitas sterben aus, Ärzte fehlen, Fachkräfte sind kaum hierher zu bekommen, und ganze Abiturjahrgänge gehen nach der Schule weg und kehren nicht wieder“, machte Leist dem Minister klar.

Deshalb plädierte er für die Einrichtung einer Fachhochschule für Ingenieure und Elektrotechniker, um der Abwanderung junger Menschen entgegenzuwirken und dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Sie mussten sich ordentlich was anhören: Justizminister Jörg-Uwe Hahn, rechts, und FDP-Bürgermeisterkandidat Thomas Fehling, links, mit Heinrich Leist.

Auch FDP-Bürgermeisterkandidat Thomas Fehling bekräftigte die Sorgen der heimischen Wirtschaft. „Die demografische Erosion droht die Region kaputt zu machen“, warnte er. Dieter Mertelmeyer von der IHK unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit einer Autobahn ins Ruhrgebiet, räumte aber ein, dass diese angesichts der neuen rot-grünen Regierung in Nordrhein-Westfalen noch unwahrscheinlicher geworden sei.
„Hier wird scharf geschossen“, sagte Jörg-Uwe Hahn, der von der massiven Kritik sichtlich beeindruckt schien. „Ich hatte die Probleme der Region nicht so auf dem Schirm“, gab FDP-Minister Jörg-Uwe Hahn zu. Er habe die Region angesichts der guten Arbeitsmarktdaten immer für eine „Zone der Freude“ gehalten.

Zone der Freude

Hahn versprach, bei Wirtschaftsminister Posch zu vermitteln und sich auch für einen Ingenieurs-Ausbildungsgang einzusetzen. Er knüpft dabei auch große Hoffnung an die künftige Ansiedlung der Fachhochschule Gießen-Friedberg im Bereich Logistik in Bad Hersfeld.

Von Kai A. Struthoff

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