250 Dinge, die wir an der Region mögen (121): Die Reiloser Kapelle

Massiv und geschichtsträchtig

Mit ihren starken Mauern hält die Reiloser Kapelle schon seit mehreren Jahrhunderten die Kirchengemeinde des Ludwigsauer Ortsteils zusammen. Foto: Goßmann

REILOS. In den weit zurück liegenden Tagen des Mittelalters, als die Menschen jederzeit mit Überfällen, zum Beispiel von Räuberbanden rechnen mussten, brauchten sie eine Zuflucht, in die sie sich im Notfall zurückziehen konnten. Nun lebte allerdings nicht jeder Mensch in einer Stadt, deren Wall die Bevölkerung schützte. Auf dem Lande erfüllte deswegen nicht selten die Kirche diese Funktion, zumal auch viele Räuber gottesfürchtig genug waren, ein solches Gebäude nicht anzugreifen.

Die Kapelle des Ludwigsauer Ortsteiles Reilos ist ein hervorragendes Beispiel für solch ein schützendes Gotteshaus. Auch wenn ihr genauer Ursprung im Dunkeln liegt, so lässt ihr Baustil auf das Mittelalter schließen. „Es wird davon ausgegangen, dass sie 600 bis 800 Jahre alt ist“, beschreibt Pfarrer Jörg Scheer das geschichtsträchtige Gebäude, dessen Baustil übrigens dem der Walterskirche zwischen Friedewald und Heimboldshausen recht ähnlich sieht. Mit ebenso massiven wie wuchtigen Mauern diente sie exzellent als Schutz vor so mancher Gefahr, die den Menschen drohte.

Einige Forscher bezeichnen das Gebäude auch als „St.-Gallus-Kapelle“, weil es Überlieferungen von Gottesdiensten gibt, die hier während der St.-Gallus-Woche stattfanden. Beim Heiligen Gallus handelt es sich um einen Wandermönch und Missionar, der im 6. und 7. Jahrhundert lebte und vor allem im Bodenseeraum tätig war. Er gilt als Gründer und Schutzpatron der Stadt St. Gallen und ist bekannt für eine Legende, nach der einst ein Bär in der Wildnis seinen Befehlen gehorcht haben soll.

Neues Dach

Doch so unverwüstlich die Kapelle des Ludwigsauer Dorfes auch sein mag, ganz ohne Renovierung geht es nicht. Erst im Oktober vergangenen Jahres erhielt sie ein komplett neues Dach und neue Balken, nachdem erkannt worden war, dass manche Bereiche einsturzgefährdet waren. Für diese Sanierung hat die Kirchengemeinde rund 10 000 Euro an Spendengeldern aufgebracht und damit bewiesen, wie sehr ihnen ihre kleine, aber schmucke Kirche am Herzen liegt. Ebenfalls wird derzeit der Innenbereich renoviert. Diese umfangreichen Arbeiten sollen laut Pfarrer Jörg Scheer spätestens im Herbst abgeschlossen sein.

Von Torsten Goßmann

Kommentare