Hinter dem Frisierstuhl sind geschickte Handwerker gefordert - Blutszenen schwierig

In der Maske herrscht Ruhe

Knüpft den Perücken-Ansatz neu: Ayca Tosuner . Foto: Broy

Wie ein Mobilee wirken die noch feuchten Puderquasten, die an einer Wäschespinne von der Decke baumeln. Über einem Stuhl in der Ecke liegt ein Brautschleier. Lockenwickler, Haarklammern und unzählige Schminkpinsel sind auf den Tischen vor den überdimensionalen Frisier-Spiegeln mit Seitenbeleuchtung verteilt.

Acht Angestellte arbeiten in der Maske der Festspiele.

„Wir sind nie alle auf einmal da. Die Maske ist für die Schauspieler der Ruheraum, zu viele Leute würden stören“, erzählt Ayca Tosuner. „Nur wenige der Darsteller reden hier gerne. Auch das Radio ist abends aus.“ Noch läuft im Hintergrund Musik.

Es ist später Nachmittag und die 22-Jährige Maskenbildnerin knüpft gerade den Ansatz einer Perücke neu. Die muss an die Kopfform des Darstellers angepasst werden. Fast alle Perücken sind hier in Eigenarbeit entstanden. „Aus echten Haaren“, wie Tosuner erzählt. Maskenbildner schminken und frisieren eben nicht nur, sie müssen auch geschickte Handwerker sein. Die meisten Perücken sind in diesem Jahr während des Musicals Carmen im Einsatz.

Kostümbildner und Regisseure geben ihre Vorstellungen über die passende Optik an die Abteilung Maske weiter. Es besteht trotzdem ein Spielraum, um die eigenen Vorstellungen zu Frisur und Make-Up einzubringen. Etwa 70 Prozent der künstlerischen Arbeit nehmen aber die Vorgaben ein. Auch wenn Regisseure Mord und Totschlag planen, ist die Maske gefordert, erzählt Teamleiterin Anja Kietzmann: „Blutgeschichten sind immer schwierig. Die Schauspieler haben den Blutbeutel oft schon viele Szenen lang unter der Kleidung, bis die Farbe raus soll.“ Sie kann sich an eine Kampfszene in einer Vorstellung von Romeo und Julia erinnern, in der das Blut zu früh geflossen sei.

Marathon in der Maske

Etwa zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn beginnt der Gestaltungs-Marathon in der Maske. Jedem Schauspieler ist eine feste Zeitspanne zugeordnet. Auch der Terminplaner in der Maske erinnert an ein Mobilee: Die Pläne hängen wie die Puderquasten an Wäschespinnen von der Decke.

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