17-jährige Bad Hersfelderin mit pakistanischen Wurzeln erhält ein Stipendium der START-Stiftung

Maryam Khan liest auch für Senioren

Henner, Marie und Maryam: Die START-Stipendiatin beweist, dass die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund in Bad Hersfeld vorbildlich funktioniert. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Talent und Leistungsbereitschaft können sich unabhängig von Herkunft und Status entfalten und die Gesellschaft bereichern. Genau das beweist die Geschichte der 17-jährigen Maryam Khan aus Bad Hersfeld.

Maryam ist eine von 42 neuen hessischen Stipendiaten und Stipendiatinnen der START-Stiftung, der größten deutschen Förderinitiative für Schüler mit Migrationshintergrund. Zu den Voraussetzungen, um ein solches Stipendium zu erhalten, zählen vor allem schulisches und soziales Engagement – für Maryam kein Problem: „Ich lese in der K&S-Seniorenresidenz Bad Hersfeld und im Klinikum vor. Unserer Theater-AG helfe ich bei der Maske und allen technischen Fragen.“

Nicht viel Freizeit

Zusätzlich ist die 17-Jährige Mitglied der „Jungen Jury“ der Konrad-Duden-Schule, die Bücher für Verlage rezensiert, um im Gegenzug Rezensionsexemplare für die Schulbibliothek zu erhalten. Für den Teenager bleibt da nicht mehr viel Freizeit. „Ich engagiere mich gerne. Und am Wochenende habe ich schließlich frei“, lacht Maryam.

Dabei hätte Maryams Leben auch anders verlaufen können. Ihre Eltern kamen vor 30 Jahren unter schwierigsten Bedingungen und ohne finanzielle Sicherheiten von Pakistan nach Deutschland. Obwohl Maryam als älteste Tochter der Familie in Bad Hersfeld geboren wurde, sprach die Familie immer noch nur bruchstückhaft deutsch. „In der Grundschule hatte ich deshalb heftige Probleme“, gibt die Schülerin zu. „Ich konnte die geforderten Leistungen einfach nicht bringen.“

Mit Maryams Wechsel zur Konrad-Duden-Schule kam der Wandel. „Ich habe einfach begriffen, dass man arbeiten und kämpfen muss, ganz egal, wie kompliziert die Umstände auch sind. Dabei spielt es auch keine Rolle, aus welchen Land man kommt.“

Ihre Klassenlehrerin Andrea Exner brachte sie dann auch auf die Idee, sich für das START-Stipendium zu bewerben. Trotz anfänglicher Zweifel wagte sie den Schritt, auch dank der beständigen Ermutigung durch ihre Eltern.

Tatsächlich wird sie zum Auswahlgespräch nach Frankfurt geladen, wo sie sich mit ihrer positiven Art prompt gegen 800 Mitbewerber durchsetzen kann. „Es fällt mir immer noch schwer, das zu realisieren“, kommentiert die Kämpfernatur.

Einen Traum erfüllen

Mit dem Stipendium verbunden ist auch eine monatliche finanzielle Zuwendung: „Ich wollte schon immer Geigen-Unterricht nehmen. Diesen Traum kann ich mir jetzt erfüllen.“

Viel wichtiger sind dem Teenager aber die zahlreichen Bildungsangebote und nicht zuletzt die Kontakte, die sie zu anderen Stipendiaten knüpfen kann. Mittlerweile besucht Maryam die Modellschule Obersberg und bereitet sich auf ihr Abitur vor. Danach will sie studieren, Lehrerin werden – und sich engagieren.

Nächste Woche stellen wir dann die zweite START-Stipendiatin aus Bebra vor.

Von Emily Spanel

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