HZ-Interview mit Hotelier Achim Kniese über Lolls, Werbung und den neuen Kurdirektor

Marketing mit Augenmaß

Skeptisch in der Gondel: Achim Kniese ist kein großer Fan von Karussellfahrten, obwohl der als erfolgreicher Hotelier selbst ein „Riesen-Rad“ dreht, zum Beispiel mit seinem Hotel „Stern“ – auf dem Bild im Hintergrund . Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Zwei Bratwürste und drei Fischbrötchen – mehr hat Hotelier Achim Kniese in diesem Jahr noch nicht von Lolls mitbekommen. In einer Gondel des 55 Meter hohen Bellevue-Riesenrads sprach der Vorsitzende des Bad Hersfelder Stadtmarketing-Vereins mit Kai A. Struthoff über Werbung für die Stadt und die Erwartungen des Vereins an den neuen Kurdirektor.

Herr Kniese, ich habe gehört, dass Sie nicht so ein großer Jahrmarktsfan sind. Stimmt das?

Achim Kniese: Ja, und das hat auch einen Grund. Im Jahr 1981 war ich auf dem Hamburger Dom in ein schweres Karussell-Unglück verwickelt. Es waren damals 27 Menschen in dem Karussell, und es gab 17 Tote und acht Schwerverletzte. Mir ist damals nichts passiert. Seither sage ich mir aber, man muss das Glück nicht herausfordern.

Verständlich. Ihr Hotel Stern ist direkt am Linggplatz und liegt somit quasi auf dem Rummelplatz. Ist das eigentlich gut, immerhin wird es ja ziemlich laut?

Kniese: Der Linggplatz ist das Wohnzimmer Bad Hersfelds, das Lullusfest gehört dazu. Die Gäste sind informiert, und viele kommen sogar gezielt wegen des Lullusfestes zu uns. Manche buchen extra die Zimmer nach vorn raus, obwohl es da schon etwas lauter wird.

Ist das Lullusfest für Sie und die anderen Hoteliers und Gastronomen wirtschaftlich wichtig, ober bleibt das ganze Geld auf dem Rummelplatz?

Kniese: Es ist für uns schon wichtig und wirtschaftlich interessant. In diesem Jahr übrigens in besonders hohem Maße. Wir hatten lange nicht mehr so viele Schausteller, die durchgehend bei uns wohnen. Und wir haben ungewöhnlich viele Übernachtungen von Lolls-Gästen, häufig auch mit Kindern. Oft kommen auch Großeltern mit ihren Enkeln. Das ist toll.

Sie sind Vorsitzender des Stadtmarketingvereins. Alt-Bürgermeister Boehmer hat Sie mal als „geldgierige Egoisten“ bezeichnet. Ist Ihr Verein ein Haufen von Schmarotzern?

Kniese: Ganz sicher nicht! Im Gegenteil, wir sind bereit, uns auch finanziell zu engagieren. Natürlich gibt es bei uns auch ein gewisses Maß an Eigennutz. Geht es uns gut, dann geht es auch der Stadt und der Wirtschaft gut. Aber in unserer Arbeit steckt auch viel Idealismus, Engagement und eine Menge Zeit. Von daher war Boehmers Bemerkung damals sicher nicht angemessen.

Im Bürgermeisterwahlkampf reden zur Zeit alle vom Marketing. Als Hotelier wissen Sie, wovon das die Rede ist. Was muss sich bei der Vermarktung der Stadt ändern?

Kniese: Modernes Marketing ist vernetzt und kann deshalb nicht vom Verein allein geleistet werden. Wir brauchen daher einen neuen Bürgermeister, der die Notwendigkeit des Stadtmarketings über parteipolitische Zwänge hinaus erkennt, der die städtischen Finanzen schnell überblickt und die vorhandenen Mittel effizient einsetzt. Dazu gehört auch das richtige Augenmaß beim Schilde-Gelände. Ich meine beispielsweise, dass die geplante Einrichtung eines festen, aufsteigenden Gestühls in der Veranstaltungshalle konzeptionell viel zu einengend wäre.

Welche Rolle spielt dabei der neue Kurdirektor?

Kniese: Wir heißen den neuen Marketingmann Christian Mayer, dessen Bezeichnung Kurdirektor vielleicht nicht den Kern seiner vielfältigen, wichtigen Aufgaben beschreibt, herzlich willkommen und würden uns freuen, ihn im engsten Führungskreis unseres Stadtmarketingvereins mit Sitz und Stimme gestaltend begrüßen zu können. Zu unserer nächsten Vorstandssitzung haben wir Herrn Mayer bereits eingeladen. Wir hoffen, dass persönliche Befindlichkeiten zukünftig außen vor bleiben können. .

Was ist mit dem Festspielen?

Kniese: Aus touristischer Sicht müssen Marketing, Verkauf und Darstellung der Festspiele modernisiert werden. Hier ist unser Intendant Holk Freytag absolut auf dem richtigen Weg, aber auch er benötigt Unterstützung. Die geben wir ihm gerne als Verein, es braucht aber auch ein neues Denken in der Verwaltung. Wichtig ist aber auch die Organisation der Tourist Information. Ich halte es für notwendig, dass Herr Mayer sein Büro nah an dieser Einrichtung hat und klar vorgibt, was zeitgemäßes Gästemanagement bedeutet.

Wir sind mit dem neuen Kurdirektor auch Riesenrad gefahren. Er sagte, dass beim Marketing die Stärke der ganzen Region ausgespielt werden müsste. Was halten Sie davon mehr zusammenzuarbeiten und gemeinsam um Gäste zu werben?

Kniese: Die Vermarktung der Region läuft seit einiger Zeit zentral über das Regionalmanagement in Kassel. Das kann man bewerten wie man will. Ich will hier kein Kirchturmdenken betreiben, Aber ich finde, wir sollten erstmal hier in Bad Hersfeld unsere Hausaufgaben machen und dann überlegen, wo wir uns mit den Nachbargemeinden vernetzen können.

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