Das Ensemble „Junge Oper München“ gastierte mit der verkauften Braut im Bach-Haus

Marie will Wenzel nicht

Mitten hinein ins Publikum gingen die Darsteller der „Verkauften Braut“ und ernteten dort viel Applaus. Matthias Heubusch als Hans und Sophie Babilon als Marie brachten den jungen Gästen im Bachhaus die Oper kindgerecht nah. Foto: Hettenhausen

bad hersfeld. Äußerst sehens- und hörenswert sind die Operninszenierungen für Kinder von Prof. Thomas Gropper und seinem Ensemble „Junge Oper München“. Das bestätigten wieder einmal die zwei gut besuchten Aufführungen am Dienstagmorgen im Bach-Haus.

„Die verkaufte Braut“

Auf dem Spielplan stand „Die verkaufte Braut“ von Friedrich Smetana. Der Komponist hatte sein Werk selbst als „Komische Oper“ betitelt. Als Opernspaß für Kinder ist es deshalb hervorragend geeignet, erst recht in der Bearbeitung von Gropper. Er versteht es nämlich, Kindern Opernmusik und -handlung mit einer großen Portion Humor nahe zu bringen, ohne das Thema oder den Gesang zu veralbern.

Die Oper kindgerecht erklärt

„Was ist eine Oper?“, wollte Gropper als Erzähler zu Beginn der Vorstellung wissen. „Etwas, wo alle mit hoher Stimme schreien“, bekam er zur Antwort. Dieses bei den Kindern wohl weit verbreitete Vorurteil sollte dann in der folgenden Stunde widerlegt werden.

Die hervorragenden Stimmen der jungen Akteure machten den Genuss für die Zuhörer perfekt. Sophie Babilon trat als Marie auf, die den Hans (gespielt von Matthias Heubusch) mag und keinen anderen. Ihre Eltern wollen sie aber mit dem schüchternen, stotternden Wenzel (Thomas Baron), dem Sohn des Bauern Micha, verheiraten. Gropper fungiert als geschäftstüchtiger Heiratsvermittler Kezal, der auf der Seite der Eltern steht und „einen dicken Job wittert“. Er luchst dem Hans gegen Geld ein Versprechen ab, dass „nur ein Sohn des Bauern Micha die Marie heiraten darf“.

Damit hat Hans den Intriganten überlistet, denn er ist auch ein Sohn dieses Bauern. Als dieses am Ende ans Licht kommt, kann Hans seine glückliche Marie heiraten- und auch Wenzel hat eine Braut gefunden. Er nimmt sich einfach ein Mädchen aus dem Publikum, dass diese Rolle mal eben spielt.

„Darf man denn seine Braut verkaufen?“, hatte Gropper anfangs die Jungen im Saal gefragt. Tatsächlich antworteten einige mit „Ja“. Nach der Oper haben diese Jungen sicherlich noch einmal darüber nachgedacht. Gropper versteht es sehr geschickt, die Kinder einzubeziehen und dadurch ihr Augenmerk stärker auf das Stück zu fixieren. Das witzige, kurzweilige Opernerlebnis wurde musikalisch auch von Franz Hauk aufgewertet, der die temperamentvollen und romantischen Melodien aus Smetanas böhmischer Heimat auf dem Klavier vortrug.

Von Vera Hettenhausen

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