HZ-Interview: Helmut Heiderich rückt für die CDU zum 3. Mal in den Bundestag nach

Marathon-Mann ist am Ziel

Er muss jetzt täglich wieder vier Zeitungen aus dem Wahlkreis lesen: Der 62-jährige Helmut Heiderich aus Friedewald rückt zum dritten Mal in den Deutschen Bundestag nach. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Gerade ist er noch in 3:51 Stunden den Barcelona-Marathon gelaufen. Jetzt ist der 62-jährige Helmut Heiderich am Ziel. Zum dritten Mal rückt er für den Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner in den Bundestag nach. Kai A. Struthoff sprach mit Heiderich über den langen Weg nach Berlin.

Herr Heiderich, Ihr langer Atem hat sich bewährt. Hatten Sie noch damit gerechnet?

Helmut Heiderich: Rechnen kann man damit nicht, sondern nur hoffen. Ich freue mich, vor allem auch für die Wähler, die mir ihre persönlichen Stimmen gegeben haben. Immerhin hatte ich in sieben Städten und Gemeinden die Mehrheit. Außerdem sind die Zeiten spannend. Es ist also eine interessante Herausforderung.

Anfang des Jahres sind Sie als Lehrer in Vorruhestand gegangen, haben schon die Freiheit genießen können. Warum gehen Sie zurück in die politische Tretmühle?

Heiderich: Es ist sicher eine Umstellung. Ich bin nach wie vor fit – körperlich und geistig, Alles Weitere wird sich zeigen.

Des einen Freud, des anderen Leid. Minister zu Guttenberg hat den Bundestag verlassen. Haben Sie als Lehrer Verständnis für sein Abschreiben?

Heiderich: Ich rücke nicht für zu Guttenberg nach, sondern für den Kollegen Holger Haibach aus dem Taunus, der für die Adenauer-Stiftung nach Namibia geht. Aber ich kenne zu Guttenberg von früher und schätze ihn sehr. Dennoch hat er Fehler gemacht, und ich habe nicht verstanden, warum es nicht schneller eingestanden hat. Aber die mediale Hatz von all den Fernsehschwätzern die vorher gar nicht dicht genug an ihn ran konnten, fand ich auch widerwärtig und erbärmlich.

Sind zwei Abgeordnete besser für die Region als einer?

Heiderich: Ja, das war auch mein Wahlkampf-Credo. Auf der Regierungsseite kann man als CDU-Abgeordneter einiges bewegen. Ich hatte mich seinerzeit sehr für den Ausbau der A4 eingesetzt, der erst ab 2013 geplant war. Der wurde durch mein Engagement vorgezogen.

Michael Roth hat gerade kritisiert, dass die Verkehrprojekte in de Region nicht schnell genug vorangehen?

Heiderich: Mit Nörgeln und Kritisieren bekommt man nichts voran. Man muss sich einsetzen und als Abgeordneter reinhängen. Natürlich könnte alles schneller gehen. Und sicher ließe sich auf dem Planungsämtern in Hessen auch noch einiges verbessern.

Ihr Verhältnis zu dem SPD-Abgeordneten Roth ist ambivalent. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit vor?

Heiderich: Wenn man gemeinsam für die Region etwas erreichen kann ist Zusammenarbeit selbstverständlich. Herr Roth hat mir ab und an mal unter die Kniescheibe gezielt – aber das ist Schnee von gestern. Wo man gemeinsam anpacken kann, bin ich dabei.

Gemeinsam anpacken müssen Sie beim Kampf um den Erhalt des Bundeswehrstandortes Rotenburg. Nützt da vielleicht der Rücktritt des bayerischen Verteidigungsministers?

Heiderich: Das ist Kaffeesatzleserei. Alle Parteien waren dafür, die Bundeswehr um 50 000 Menschen abzustocken. Das sind 50 Standorte, die zu schließen sind. Noch kennen wir nicht die Vorstellungen des Militärs über die Struktur der Zukunft. Unsere Argumentation wird diesmal schwieriger, weil wir beim letzten Mal immer die Strukturschwäche der Region angeführt haben. Jetzt aber brummt Nordhessen, während die bayerischen Landräte alle in Berlin schon auf ihre Struktur-Probleme hingewiesen haben. Aber ich glaube, dass Rotenburg trotz allem ganz gut aufgestellt ist.

Um Sie ist es im Kreis politische ruhiger geworden. Werden Sie sich jetzt wieder öfter zu Wort melden?

Heiderich: Wir haben hier einen Generationswechsel vollzogen. Es ist nicht meine Art, nach dem Rückzug trotzdem die Partei zu führen. Aber jetzt trage ich wieder Verantwortung an anderer Stelle für die Partei. Und ich werde die Region in Berlin vertreten. Deshalb bin ich heute an den Wahlkampfständen im Kreis anzutreffen, und am Montag geht es in Berlin los. Ich kann da an alte Kontakte anknüpfen. Ich werde wohl ein Büro neben dem Adlon beziehen können, direkt neben dem von Alt-Kanzler Helmut Kohl.

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