Der Mann aus dem Moor

So sieht der Neue aus: Kurdirektor in spe Christian Mayer. Foto: Weser Kurier, Bremen/Marcus Lorenczat

Bevor Bürgermeister Hartmut H. Boehmer Ende des Monats sein Amtszimmer im Rathaus räumt, schlägt er noch flugs ein paar Pflöcke ein. Mit der Berufung von Christian Mayer zum neuen „Kurdirektor XL“ – er soll ja nebenbei auch die Wissenswelt betreuen und die Festspiel-Vermarktung auf Trab bringen – besetzt Boehmer kurz vor seinem Ausscheiden noch eine der wichtigsten Schlüsselpositionen und schafft für seinen Nachfolger schon mal Fakten.

Das passt zu Boehmer, der ja nicht wirklich daran denkt, das Heft des Handelns aus der Hand zu geben, sondern eigentlich nur die Büros wechselt. Fairer wäre es freilich gewesen, diese wichtige Position von seinem Nachfolger, wer immer das auch sein mag, besetzen zu lassen.

Kai A. Struthoff über den neuen Kurdirektor

Christian Mayer stammt aus meiner alten Heimat Bremen, genauer gesagt aus Lilienthal, einem hübschen Vorort der Hansestadt. Ich erinnere mich noch ganz gut an Mayers erste politische Aktionen. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus Lilienthal gründete er eine Wählergemeinschaft namens JEZ (Jugend entwickelt Zukunft), die es auch auf Anhieb in die Gemeindevertretung der von einem grünen Bürgermeister regierten Kleinstadt schaffte. Später zog Mayer dann für die Grünen in den Kreistag von Osterholz-Scharmbeck ein.

Lilienthal liegt am Rande des Teufelsmoors, wo die Torfstecher in früheren Jahren ein karges Dasein fristeten. Es war ein harter, zäher Menschenschlag. Mit flachen Kähnen stakten sie den Brennstoff über die Wümme nach Bremen. Erst später, als sich Paula Modersohn-Becker und andere Künstler verzaubert von der Magie des Moores rund um Worpswede niederließen, verlor die Region ihr Hinterwäldler-Image. Heute sind Torfkahnfahrten und die Galerien des Künstlerdorfes die größte touristische Attraktion der Region.

In Lilienthal reagierten meine früheren Kollegen jedenfalls ziemlich erstaunt auf die Nachricht, dass ihr „Krischan“ Kurdirektor in einer nordhessischen Fachwerkstadt werden soll. Bisher kannte man ihn eher in Jeans und Sweatshirt als DJ und Anhänger grün-alternativer Ideen.

Hoffentlich bringt Mayer die Zähigkeit der Menschen des Teufelsmoors mit, denn sein neuer Job in Bad Hersfeld dürfte höllisch schwer werden. Die Gemengelage zwischen Stadtpolitikern, Stadt-Marketingverein, Festspielintendanz und „Mister-Schilde-Park“ Boehmer ist ziemlich explosiv. Und angesichts der Tatsache, dass alle Bürgermeisterkandidaten das Zauberwort Marketing wie ein Mantra vor sich herbeten, dürften die Erwartungen an den Neuen besonders hoch sein.

Ach ja, die Bürgermeisterkandidaten, die legen los, als wäre schon am nächsten Sonntag Wahl. Thomas Fehling setzt jede Woche eine Pressekonferenz an, Martin Gröll steht ihm nicht nach, und Gunter Müller meldet sich immerhin per Mail zu Wort.

Hoffentlich verschießen die Herren Kandidaten ihr Pulver nicht zu früh.

struthoff@hersfelder-zeitung.de

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