Bad Hersfelder Festspiele 2011: Helmut Baumann spielt in „Sunset Boulevard“

Der Mann, der Helen holte

Derzeit noch Boulevard in Berlin, ab Juni dann Festspiele in Bad Hersfeld: Musical-Urgestein Helmut Baumann spielt in „Sunset Boulevard“ an der Seite seiner guten Freundin die Rolle des Max von Mayerling. Foto: Schönholtz

Berlin/Bad Hersfeld. „Soll ich Ihnen noch was zu Helen Schneider sagen?“, fragt Helmut Baumann verschmitzt, macht eine Kunstpause und fährt mit einer Stimme fort, in der auch ein wenig Stolz mitschwingt: „Ich habe sie damals aus New York zurückgeholt.“

Damals, das war 1987, als er am Theater des Westens in Berlin „Cabaret“ inszenierte und nach einer Sally Bowles suchte. Helen Schneider war nach ihrer kurzen Karriere als Rock-Sängerin („Rock’n’Roll Gypsy“) wieder in die Staaten gezogen und kam erst nach Baumanns Ruf wieder nach Deutschland.

Seitdem verbindet beide eine bis heute bestehende Freundschaft. Dass sie in diesem Sommer gemeinsam bei den Bad Hersfelder Festspielen im Musical „Sunset Boulevard“ auf der Bühne stehen werden, ist trotzdem reiner Zufall.

„Ich bin ein Einfall von Regisseur Gil Mehmert und hatte keine Ahnung, dass Helen Schneider ebenfalls kommen würde. Auch Helen war überrascht“, beteuert der 72-Jährige, der sich in seiner langen Karriere den Ehrentitel eines „Musical-Fachmanns“ erarbeitet hat.

Sein eigener Star

Als solcher schätzt er zwar in erster Linie traditionelle Produktionen mit individueller Handschrift. In diesen sieht er eine Form des Musiktheaters neben der Oper, die auf Dauer vielleicht einmal die Operette ersetzen wird. Sieben Jahre lang war er in Bremen und hatte dort „alle Möglichkeiten, Qualität auf die Bühne zu stellen.“ Im Theater des Westens in Berlin war er nicht nur sein eigener Chef, sondern auch sein eigener Star und hat gelernt, dass „nur Stücke, die Meriten haben, auch überleben“.

In der zweigeteilten Musical-Welt will er den industrialisierten, in erster Linie auf kommerzielle Verwertbarkeit angelegten Produktionen den künstlerischen Anspruch nicht von vornherein absprechen. „Das muss sich nicht ausschließen,“ sagt Baumann und nennt „Der König der Löwen“ als „hervorragend gemachtes“ Beispiel. Allerdings seien solche Musical-Spektakel „immer glatt, immer unpersönlich und die Besetzungen total austauschbar.“

Wenn man Helmut Baumann als „theaterbesessen“ bezeichnet, hätte er es lieber „eine Etage tiefer“. Doch dass Theater für ihn den Luxus bedeutet, „dass ich mir viele Dinge aussuchen darf, Dinge, die ich tue und die ich nicht tue“, das räumt er gerne ein und kommt dann doch zu dem Schluss: „Theater ist mein Leben“.

In diesem ist der Schauspieler Baumann „relativ spät auf die Welt gekommen“ und so ist er der Ansicht, diesen Teil des Berufs „noch lange nicht ausgelotet“ zu haben.

Das wird er im Sommer dieses Jahres als Max von Mayerling auch auf der Bühne der Stiftsruine tun. Als Regisseur hat er Freilichtheater zwar immer vermieden, weil er um die Intimität fürchtete. Aber, so Baumann: „Jetzt spiele ich, und das ist etwas ganz anderes“. interview

Info: „Sunset Boulevard“ hat am 21. Juni Premiere. Ticket-Service, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/201360, www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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