In vielen Selbsthilfegruppen findet die Leitung keinen Ersatz

Mangel an Nachfolgern

Kerstin Roth

Bad Hersfeld. Viele Selbsthilfegruppen haben Nachwuchssorgen, auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Sie finden keine Nachfolger für die Leitung. Das sagte Kerstin Roth, Koordinatorin für Selbsthilfe der Krankenkasse AOK, bei einer Tagung mit etwa 50 Selbsthilfegruppen aus der Region in der Stadthalle Bad Hersfeld.

Mancher Gruppenleiter sei seit 15 oder mehr Jahren im Amt. Wer heute die Führung abgeben wolle, habe es schwer, einen Nachfolger zu finden. Dieses Problem treffe auch auf einige der 100 bis 120 gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen im Landkreis zu. Es gebe eine stärkere Konsumentenhaltung unter den Mitgliedern: „Das ist in der Selbsthilfe genauso wie anderswo“, sagt Roth.

Die klassische Selbsthilfe sei im Umbruch. Früher waren die Gruppen die einzige Anlaufstelle, um sich über eine Krankheit zu informieren und mit anderen Patienten auszutauschen. Das geht heute auch in Internetforen. Sie verlangen weniger Verbindlichkeit und bieten Anonymität. „Das hat auch Vorteile“, sagt Roth.

Selbsthilfegruppen werde es aber auch weiterhin geben: „Sie leisten eine wichtige Arbeit“, sagt Roth. In der Sucht- oder Krebshilfe komme es auf den persönlichen Kontakt mit anderen Betroffenen an. An Mitgliedern gebe es ohnehin keinen Mangel, nur an der Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen, sagt Roth.

Das bestätigt Richard Kammerzell, Beisitzer der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Hersfeld-Rotenburg mit 120 Mitgliedern. Der Vorsitzende Hermann Kruziana will sein Amt in zwei Jahren abgeben. Obwohl die Arbeit im Vorstand auf viele Schultern verteilt sei, gebe es bisher keinen Nachfolger: „Wir haben noch keine Ahnung, wie es dann weiter geht“, sagt Kammerzell.

Von Marcus Janz

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