Ein Besuch bei den Frühschwimmern im Bad Hersfelder Geistal-Freibad

Manche mögen’s kalt

Ihnen bereitet das frühe Schwimmen viel Freude (von links): Elisabeth Siebert, Gabi Möller und Heidi Hanstein kommen seit drei Jahrzehnten jeden Morgen während der Sommersaison in das Geistal-Freibad. Foto: Poppe

Bad Hersfeld. Schwimmen ist toll. Aber morgens um halb sieben? Ich gähne, reibe mir die kalten Hände und steuere im dunklen Eingangsbereich des Geistalbades auf die beheizte Umkleidekabine für Damen zu.

Schöner Tagesbeginn

Normalerweise liege ich um diese Zeit noch im Bett und denke nicht an Wasser. Höchstens in Form von Kaffee. Hier hingegen bin bereits spät dran. Aenny Kaufmann rubbelt sich ihre nassen Haare mit einem Handtuch trocken. Als vor einer halben Stunde der Badebetrieb begann, war die Neunzigjährige zusammen mit den ersten Schwimmern des Tages schon im Becken. „Schöner kann man den Tag nicht beginnen“, erklärt die Bad Hersfelderin mit strahlenden Augen. Sie käme seit einer Ewigkeit hierher. Jeden Morgen von Mai bis September zieht sie ihre Bahnen.

Wie eine Droge

In der warmen Kabine duftet die feuchte Luft nach Duschgel. Draußen ist es noch immer zehn Grad kalt. „Die ersten Momente im Becken sind schon hart, wenn es morgens noch so kühl ist wie jetzt“, gibt Karin Ranscht zu, „aber das Wasser wird ja auf 23 Grad erwärmt.“ Frühschwimmen sei wie eine Droge, schwärmt sie, es ziehe einen immer wieder hierher.

Sie zeigt auf die Schwimmbrille in meiner Tasche: „Probieren Sie es doch selber.“

Noch bin ich nicht überzeugt, wünsche den Damen einen schönen Tag und wähle den sicheren Landweg, um an den trockenen Rand des Pools zu gelangen.

Schwimmmeisterin Birgit Weigelt zeigt auf das

Becken, von dessem Blau sich bunte Badeanzüge abheben. „Die meisten hier haben ihre festen Zeiten und Bahnen“, erklärt sie das Treiben am Morgen.

Herbert Nied, seine Frau Helga und Elisabeth Zühlke machen gerade eine kurze Pause im Wasser. „Wir sind auch im Club“, ruft mir das Trio gutgelaunt zu. Die Erfrischung, die im Freibad auf sie warte, entschädige für frühes Aufstehen und den grauen Himmel.

Drei Köpfe mit Badekappen lugen aus dem Wasser. Elisabeth Siebert, Gabi Möller und Heidi Hanstein zieht es seit 30 Jahren jeden Morgen ins Bad. Bevor die Freundinnen wieder ihrem Rhythmus aus einer Bahn Brust und einer auf dem Rücken folgen, laden sie mich ein: „Kommen Sie rein!“ Nun gibt es wohl kein Zurück mehr. In der Kabine schlüpfe ich in Badekleidung und dusche.

Hinterher richtig stolz

Doch dann stehe ich nass und zögernd an der Treppe des Schwimmkanals, der hinaus ins Becken führt und kriege kalte Füße: Vorsichtig tauche ich meine Zehen in das Wasser, dem eine Schwimmerin mit roten Wangen entsteigt. „So trauen sie sich doch, hinterher sind Sie richtig stolz auf sich“, sagt sie ermunternd und verschwindet. Das Wasser plätschert leise gegen die Stufen. Ich zähle laut bis fünf und wage den Sprung.

Vor Kälte prustend

Vor Kälte prustend, tauche ich draußen ungelenk an die Oberfläche und ziehe die Blicke der anderen Schwimmer auf mich. „Sehen Sie, wie schön das ist!“, werde ich begrüßt und zwischen zwei Zügen sage ich „Ja“, lächele und bin ein bisschen stolz auf mich.

Von Stefanie Poppe

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