Wochenend-Porträt: Renate Wandel arbeitet im „Berliner Tempo“

Malerei ist ihre Sprache

Renate Wandel

Bad Hersfeld. „Der Wandel im Wandel“ – so lautete das Thema des diesjährigen Lolls-Journals der Hersfelder Zeitung. Passenderweise wurde es von Renate Wandel illustriert, die seit 1996 in Bad Hersfeld lebt und seit zehn Jahren im Atelier Rotation31 ihre künstlerische Heimat gefunden hat.

Hier entstanden auch die treffsicheren Karikaturen zur „Hersfelder Geschichte in der Zukunft“ unter immensem Zeitdruck im Berliner Tempo. Das liegt ihr im Blut, denn 1948 erblickte sie in der Hauptstadt das Licht der Welt und hat gekritzelt, bevor sie reden konnte.

„Die Malerei ist meine erste Sprache“, gilt noch heute für die Frau, die bei ihrer Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Berlin aus einer Eingebung heraus verkündete: „Ich will die heilige Schrift illustrieren.“ Dem Studium Freie Malerei, Bildhauerei und Baugeschichte von 1966 bis 1972 folgten Studienreisen durch Europa, nach Nordafrika und in den Vorderen Orient. Seither ist Renate Wandel freiberuflich tätig als Malerin und Bildhauerin.

Schwere Zeit

Der Umzug von Berlin nach Nordhessen im Jahr 1983 begründete sich zum einen in dem beruflichen Interesse ihres Mannes als frei schaffender Architekt an den Zonenrand-Fachwerkhäusern und ihrer gemeinsamen Leidenschaft, der Zucht von Windhunden.

1998 verstarb ihr Mann im Alter von nur 50 Jahren. Eine schwere Zeit für Renate Wandel und ihre drei Töchter. In dieser Lebenssituation legte sie den Grundstein, mit ihrer freiberuflichen, künstlerischen Tätigkeit finanziell unabhängig zu werden.

So sieht sich die Künstlerin selbst: Renate Wandel in der Karikatur mit Galerist Jürgen Lindhorst. Zeichnung: Renate Wandel

Bereits 1997 machte die Künstlerin mit ihrer Bühnenmalerei bei den Bad Hersfelder Festspielen auf sich aufmerksam. Zur Kulisse von Shakespeares „Was ihr wollt“ gehörte das aufsehenerregende Uhrenfragment. Zeitgleich zum Lullusfest im Jahr 1997 präsentierte sie in der Stadtkirche Bad Hersfeld ihre Ausstellung „Lullus Erzbischof und Stiftsgründer“.
Mit zehn Bildtafeln, die nunmehr als Dauerausstellung die Wände des Gotteshauses schmücken, wird auf den geschichtlich-geistlichen Hintergrund des „Lollsfestes“ aufmerksam gemacht. Die Bilder, die auch wichtige Ereignisse aus dem Leben des großen Kirchenmannes und Missionars darstellen, wurden auf Holztafeln, goldgrundiert, in Acryl-Temperamischtechnik ausgeführt.
Kulturmanager Jürgen Lindhorst ermöglichte ihr im Jahr 2001, „nach einem gnädigen Blick in ihre Mappe“, ein Atelier im Kloster Cornberg einzurichten. Nach zwei Jahren als Klostermalerin waren einhundert neue Arbeiten vorhanden. Die Schaffenskraft der Künstlerin, inzwischen vierfache Oma, ist bis heute ungebrochen. Ihre Werke werden bundesweit in Museen, Galerien und Kirchen ausgestellt.

Etwa 400 Arbeiten von ihr rotieren allein in Deutschland, weitere befinden sich in Privatsammlungen in fast allen europäischen Ländern, den USA und den arabischen Staaten. In ihren Bildern, Skulpturen, Kaltnadelradierungen, Installationen und Raku-Plastiken setzt sich die vielseitige Künstlerin mit Motiven aus der klassischen Literatur, der antiken Mythologie und surrealistischen Landschaften auseinander.

„Sakrale Sachen träume ich. Die Bilder erscheinen wie auf einer großen Leinwand“, versichert Renate Wandel glaubhaft und fügt hinzu: „Ich betrachte mich als Medium.“

Ganz geerdet übernimmt die Preisträgerin des Kunstpreises Bad Sooden/Allendorf ihre Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen in der Region.

Von Gudrun Schmidl

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