Bad Hersfeld im Bild: Ausstellung Stadt und Mensch im Bad Hersfelder Kapitelsaal

Der Maler der Melancholie

Günter Ries (links) und Bürgermeister Hartmut H. Boehmer (rechts) stellten den inoffiziellen „Ansbacher Stadtmaler“ Reiner Grunwald (Mitte) anlässlich einer Vernissage im Kapitelsaal des Museums vor. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. „Nur abzubilden interessiert mich nicht. Die Phantasie, die Melancholie und das Träumerische sind mir wichtig, sonst wären diese Bilder zu flach“, lautet ein Zitat von Reiner Grunwald. Wer die Ausstellung „Stadt und Mensch“ des Ansbachers im Kapitelsaal des Hersfelder Museums besucht, versteht den Maler. Einfach nur einen Blick auf die großen Aquarelle und Acrylbilder zu werfen, wird ihnen nicht gerecht, denn sie erzählen etwas, sie haben ein Thema, das den Betrachter beschäftigt.

Durch den informativen Vortrag von Günter Ries bei der Ausstellungseröffnung erfuhren die Gäste sehr viel über den Künstler.

„Sie sehen die Stadt in einer besonderen Art und Prägung“, attestierte Bürgermeister Hartmut H. Boehmer. Drei junge Musikern, Benjamin Ries, Andreas Halsch und Norman Richter umrahmten mit Swing und Jazz die Vernissage.

Mühsam erarbeitet

Grunewald hat sich seine Kunst mühsam erarbeitet. Als Straßenmaler hatte er früher Bilder verkauft. Indem er sich intensiver mit seinen Vorbildern Egon Schiele, Horst Jansen und Leonardo da Vinci beschäftigte, verfeinerte er seine Techniken und fand letztendlich zu seinem typischen „Grunwald-Stil“, der ihn im wahrsten Sinne „stadtbekannt“ machte. Denn seine liebsten Aquarellmotive sind Stadtportraits.

So präsentiert er auch Bad Hersfeld wie durch einen Nebelschleier hindurch im herbstlichen Gewand. Dezente, warme braune und graue Töne bevorzugte der Maler, als er den Linggplatz, ein altes, schönes Haus am Stadtring, die Nordschulteiche mit Blick auf die Stiftsruine, Hersfeld von oben oder die Sicht vom Stadthaus auf das ehemalige Babcockgelände stimmungsvoll mit dem Gespür für den Charme der Stadt auf Papier festhielt. Da sich vieles im Stadtbild verändert, haben diese Bilder einen historischen Wert.Dies hatte schon vor Ausstellungseröffnung dazu geführt, dass drei Bilder verkauft wurden.

Eine ganz andere Seite offenbaren Grunwalds Acrylbilder. Sie beschäftigen sich mit dem Menschen, seiner Endlichkeit und seinen Abgründen. Ideen für diese Themen liefere ihm die tägliche Zeitungslektüre, sagte er. Diese Bilder sind nicht „geschmeidig“, ihre Oberfläche wirkt aufgeraut, sehen wie auf einem alten, rissigen Gemäuer gemalte Fresken aus.

Trotz ihrer grotesken Überzeichnung kommen sie einem vertraut vor. Da sitzt das Paar im Café und hat sich nichts mehr zu sagen („Kalter Kaffee“), das Gewissen beißt sich im Nacken des Verzweifelten fest („Der Gewissensbiss), dem Zuhörer mit Eselskopf wird fast das Ohr vom Schwätzer abgebissen („Das Gerücht“) und der Schutzengel legt erschöpft seinen Kopf nieder (Mein müder Engel“).

Gewaltig wirkt das Triptychon „Das Schach-Lebensspiel“ auf den Betrachter: Wenn sich die Könige bekriegen, wie auf dem mittleren Bild, muss das Volk den Hass der Oberen ausleben.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Dauer bis zum 20. April. ZUR PERSON

V on Vera Hettenhausen

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