Heidi Nübling präsentiert ihre Arbeiten in Bad Hersfelder Winteratelier

Wer malen will, muss sehen

Farbintensiv: Der Arbeitsplatz in Nüblings Atelier. Foto: Pistor

Bad Hersfeld. In der ruhigen, lichtdurchfluteten Wohnung spielt sanfte Hintergrundmusik. Es duftet nach frisch aufgebrühtem Tee, Tüten mit Kunstdrucken stehen geordnet auf einem Beistelltisch.

Niemand würde auf den ersten Blick vermuten, dass es im Obergeschoss einen Raum gibt, der diese Ruhe mit künstlerischer Dynamik durchbricht: Dunkle Farbspritzer ziehen sich über die weißen Wände, ein großes Stück Filz schützt den Boden vor weiteren Flecken.

Rechts liegen verschmierte Tuben Ölfarbe, es riecht leicht nach Terpentin; Pinsel, Wassergläser, Abdecktücher – Alles ist von einer Farbschicht überzogen. Die Grafik-Designerin und Malerin Heidi Nübling deutet auf ihre bunte Palette und erklärt: „Ich hebe so etwas immer auf. Daran erkennt man den künstlerischen Prozess.“

An der Staffelei ihres Winterateliers in Bad Hersfeld lehnen Leinwände, die an Urlaub im Warmen erinnern: Meere bei Sonnenaufgang, in sanften Pastellfarben, Teile ihrer Himmels- und Wasserstudien.

Offenes Atelier

Momentan ist die Malerei die Passion der Künstlerin. „Ich hatte auch eine Phase, in der ich nur Bleistiftzeichnungen angefertigt habe, das wechselt bei mir“, lächelt sie.

Am Sonntag, 12. Dezember, von 11 bis 19 Uhr haben Kunstinteressierte die Möglichkeit, Nüblings Arbeiten in der Georg-August-Möller-Straße 34 wieder genauer zu betrachten. Sie strukturiert ihre Ausstellung selbst, nimmt die Bilder zur Hand, lässt sie von fern betrachten, weist auf Besonderheiten, Entstehungsprozesse hin.

Collagen

Beispielsweise finden sich in ihren Bildern immer wieder kleine Farbausschnitte aus Kalendern oder Magazinen, die sie im Collagenstil einarbeitet. So trägt ihre griechische Helena einen Anhänger, im Wasser tummeln sich glänzende Fische.

„Ein Bild macht bei mir mehrere Prozesse durch“, beschreibt Nübling. „So kann es sein, dass am Ende etwas ganz anderes herauskommt, als man anfangs noch zu sehen meinte. Das Bild entwickelt sich, man hat anfangs nur eine vage Idee. Das ist das Interessante an der Kunst.“

Life-Pictures

So ist auch ihr „Life-Pictures“-Projekt entstanden: Die Künstlerin machte Polaroidbilder von den Stadien ihrer Arbeit und übermalte diese dann wiederum. Ihre

Motivwahl liegt meist in der Natur begründet. „Einmal haben wir eine Reise nach Grönland gemacht und mussten stundenlang über das kalte Wasser fahren, weil etwas schiefgelaufen war.“ Die Eindrücke, die sie so gesammelt hatte, fanden schließlich den Weg auf ihre Leinwand, eine ganze Grönland-Serie entstand. „Die vier Elemente sind spannende Themen“, findet Nübling.

Viel Platz und Ruhe

Normalerweise arbeite sie zwischen ein und drei Wochen an einem Bild, und das gleich mit mehreren Pinseln, erzählt sie. Ihre Arbeitskleidung ist voller Farbkleckse: „Wenn ich das trage, mache ich gar nicht erst die Tür auf!“

Heidi Nübling benötigt vor allem Ruhe für ihre Arbeit, und auch ausreichend Platz, um sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Denn es sei besonders wichtig, die eigene Arbeit immer selbstkritisch zu bewerten und sich weiterzuentwickeln, erläutert die Künstlerin.

So probiert sie auch andere Maltechniken aus, sieht genau hin. „Der Anfang der Malerei ist immer das Sehen“, weiß Nübling. „Man muss das Gesehene sinnlich verarbeiten. Erst dann kann man sich an die Umsetzung wagen.“

Von Christina Pistor

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