Alles ganz logisch: Roger Hodgson, die Stimme von Supertramp, rockt die Stiftsruine

Magisch und wundervoll

Das Beste zum Schluss: Aaron Mc Donald (links) spielt das markante Mundharmonika-Intro für „School“ bis Roger Hodgson mit scheppernden Gitarrensound einfällt. Da hielt es niemand mehr auf den Plätzen. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Früher war die Welt rätselhaft, wunderschön und magisch. Logisch, wir waren jung. Den Soundtrack dieser Jugend lieferten das hämmernde Pianospiel und der markante Falsettgesang von Roger Hodgson, der Stimme von „Supertramp“.

Die Welt veränderte sich, sie wurde eng, klinisch, intellektuell – und zynisch. Den Wandel, den Hodgson in seinem Logical-Song beschreibt, hat er wohl auch selbst erlebt. Die legendäre Band der 1970er und 80er Jahre trennte sich, Hodgson machte allein weiter.

Seit dem Jahr 2002 zieht die Stimme von Supertramp wieder mit den alten Songs um die Welt und weckt Erinnerungen. Am Sonntagabend machte der 63-jährige „Mr. Supertramp“ in der Stiftsruine beim Eröffnungskonzert für die Bad Hersfelder Festspiele Station – „ a lovely little place“ – zwischen Metropolen wie Sydney, Paris, Berlin, London und New York. Ein langer Weg nach Hause.

Mit „The Long way Home“ eröffnet Hodgson das rund zweistündige Konzert. Begleitet nur von dem hervorragenden musikalischen Multi-Talent Aaron Mc Donald erfüllt der typische, fast aggressive, fordernde Pianosound die Ruine. „Ich hätte nie gedacht, dass meine Musik die Herzen so vieler Menschen füllen würde“, sagt er zur Begrüßung.

„When I was young, it seemed that life was so wonderful, a miracle, it was beautiful, magical.“

Roger Hodgson The Logical Song

Tolles Team: Aaron Mc Donald (vorn) und Roger Hodgson.

„Umarme deinen Sitznachbarn, auch wenn du ihn nicht kennst, sing mit und lass die Probleme einfach draußen“, sagt Hodgson und radebrecht etwas auf deutsch. Doch die Botschaft kommt an.

Die Fans sind etwas grauer geworden, auch irgendwie logisch. Aber die alten Songs zünden wir früher: „Give a little Bit“, „Breakfast in America“ – und logisch, „The Logical Song“. Immer wieder reißt es das Publikum, das immerhin knapp 70 Euro pro Karte gezahlt hat, in der ausverkauften Ruine von den Sitzen. Rund 90 000 Euro kostet der Abend mit dem Superstar. Am Ende wird die Stadt mit einer schwarzen Null aus der Veranstaltung gehen.

Hodgson wechselt vom E-Piano an den Flügel und zur Gitarre, spielt aber nur wenige neue Stücke. Er weiß, was das Publikum will. „Das ist für die Träumer unter euch“, ruft er und singt mit heller Kopfstimme „Dreamer“. Das Publikum jubelt, stampft mit den Füßen, dass der Boden bebt. „Ich mag das deutsche Publikum“, verrät Hodgson, „ihr zeigt immer was ihr mögt!“ Und wie.

„Wollt ihr School hören?“ fragt er am Ende. Na logisch! Da rockt die Ruine wie damals das Klassenzimmer. Und die Welt ist für einen Moment wieder magisch, rätselhaft – einfach wundervoll!

Von Kai A. Struthoff

Roger Hodgson in der Bad Hersfelder Stiftsruine

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