Von Mäusen und Bäuchen

Götz Geißler

Wenn im Film ein Theater dargestellt wird, dann ist da eine Bühne, dann hängt davor ein Vorhang und davor sitzt das Publikum und wartet, dass der Vorhang aufgezogen wird. Der eine oder andere Mitwirkende in diesen Film, wo es um ein Theater geht, lunst dann durch einen Spalt im Vorhang, um das eine oder andere zu sehen. Das geht in unserem Ruinentheater nicht, wir haben keinen Vorhang. Gleichwohl kann gelunst werden. Dafür haben wir ein Bühnenloch. In die senkrechten Bretter zwischen Unterbühne und Oberbühne ist dieses Loch geschnitten. Und durch dieses Loch kann man Teile des Publikums und auch des Bühnengeschehens sehen. Meist aber dann doch nicht, weil da meist schon einer steht.

Bauch ist heute out. Wer etwas auf sich hält, ist fit, isst gesund und hat keinen. Schon gar keiner der tanzenden und singenden Darsteller im Musical. Die sind in Top-Form. In den 50er Jahren war das anders. Wer was war oder was sein wollte, hatte einen, einen Wohlstandsbauch, Ludwig Erhard lässt grüßen. Unser Musical Carmen spielt in den 50er Jahren. Und da haben wir heute ein Problem. Den tanzenden Naturbauch gibt es nicht mehr. Also müssen Kunstbäuche her. Das ist dann die Aufgabe der Kostümbildner. Und so hängen heute die Wohlstandsbäuche in der Garderobe, vom kleinen Wohlstandbauch der Größe S bis zum XXL-Bauch. Und während der Vorstellung ist unter der Bühne fliegender Umzug angesagt, aus sportlich dynamischen Sängern der Jetztzeit werden flugs bebauchte Honoratioren der Aufbaujahre.

Über das Bühnenhuhn Hanni ist lokal aber auch international schon in vielen Medien berichtet worden. Es ist einer der Stars im deutschen Musical Carmen. Und zum Schlussapplaus wird es in einer artgerecht designten und zertifizierten Hühnertransportbox gebracht, von Livio Cecini, dem Mann mit Huhn. Dass keine skandalträchtige Bühnenmisshandlung des Hühnerstars vorliegt, wurde amtstierärztlich bescheinigt. Auch darüber ist schon berichtet worden. Über den eigentlichen Skandal ist allerdings noch nichts in die Öffentlichkeit gedrungen. Als investigativer Kolumnist klage ich an, ich war Augenzeuge. Hanni war gerade im Bühneneinsatz, ihr reichlich gedeckter Körnerteller unter der Bühne war unbeobachtet. Schamlos nutzte diese Situation die diebische Ruinenmaus und stahl Hanni ihre Körner. Ich erhebe hiermit Anklage vor dem Mäusegericht.

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