250 Dinge, die wir an der Region mögen (61): Das Grimmbörnchen

Märchenbrüder zu Besuch

Der Gedenkstein am Grimmbörnchen. Foto: Manns

Mecklar. In der Festschrift zur 700-Jahrfeier von Mecklar im Jahr 1952 hat der damalige Chronist folgendes über das „Grimmbörnchen“ niedergeschrieben. „Am westlichen Ausgang des Dorfes liegt in einer erhöhten Kurve der B 27 ein idyllisches Plätzchen. Zwei steinerne Bänke laden zum Niederlassen ein. Dazwischen sprudelt eine muntere Quelle aus einem gebogenen Eisenröhrchen; darüber erhebt sich ein steinernes Becken und an den Randsteinen kann man erkennen, dass schon viel Wasser darüber gelaufen ist. Eine junge Birke und eine Trauerweide flankieren den Sitzplatz“.

Die steinernen Bänke und das gebogene Eisenröhrchen gibt es schon lange nicht mehr. Seitdem der Hang bebaut wurde, fliest auch das Wasser der Quelle in andere Richtungen ab.

Damit der historisch bedeutende Platz nicht in Vergessenheit gerät, ist an der Stelle ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel im Dezember 2005 vom Festausschuss „750 Jahre Mecklar“ aufgestellt worden.

An diesem „Börnchen“ ruhten sich viele Menschen aus und haben von dem frischen Quellwasser getrunken. Auch die Gebrüder Grimm machten dort Rast und sollen sich an dem Wasser der Quelle gelabt haben. Die Mutter der beiden Brüder reiste Anfang August 1805 von Steinau nach Kassel. Sie machte Zwischenstation in Mecklar und besuchte ihren Vetter, den damaligen Gemeindepfarrer Karl Heinrich Koppen, der von 1791 bis 1822 in Mecklar lebte. Mit dem Marktschiff fuhr sie weiter nach Kassel.

Grimm auf der Kirmes

Damals wurden auf der Fulda noch Güter und Waren per Schiff transportiert und Personen befördert. Die Fulda-Schifffahrt kam erst ab 1849 zum Erliegen, als die Eisenbahnstrecke Kassel-Bebra gebaut wurde. Auch Jakob und Wilhelm Grimm besuchten ihren Verwandten Karl Heinrich Koppen in Mecklar und verweilten in dem Ort an der Fulda. Wilhelm Grimm feierte sogar 1810 die Kirmes in Mecklar mit.

Zu Ehren von Jakob und Wilhelm Grimm wurde der Brunnen eingefasst und die Quelle erhielt so den Namen „Grimmbörnchen“. Vielleicht ist es irgendwann mal möglich, dass diese Quelle wieder eingefasst und neben dem Gedenkstein wieder aus einem Eisenröhrchen sprudeln kann – schön wär’s.

Von Gerhard Manns

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