Hersfelder gedachten des Brandes der Stiftskirche vor 250 Jahren

Mächtig, prächtig, alt und ehrwürdig

Dr. Thomas Ludwig (l.) und Verena Smit (3. v. l.) schilderten, wie die Stiftskirche 1761 eine Ruine wurde. Heinz Noack von der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine (2. v. l.) und Stadtarchivar Johannes van Horrick (r.) hörten aufmerksam zu.

BAD HERSFELD. Ist sie das „kläglichste und unauslöschlichste Denkmal“ des Siebenjährigen Krieges? So ordnete sie 1789 der Rektor des Hersfelder Gymnasiums, Wilhelm Wille, in die Geschichte ein. Oder ist sie die liebe, uns allen am Herzen liegende Stiftsruine, weil der Brand des Gotteshauses „Verlust einer Kirche und Gewinn einer Ruine“ zugleich war?

Diesen Fragen, der Baugeschichte der Kirche und dem wahrscheinlichen Verlauf des dramatischen Geschehens, das sich am 19. Februar 1761 ereignete, gingen auf Einladung von Land und Stadt sowie der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine Verena Smit und Dr. Thomas Ludwig von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten des Landes Hessen nach.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Fehling und Heinz H. Noack, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine, veranschaulichte Smit vor vielen interessierten Besuchern im Kapitelsaal zunächst die mittelalterliche Baugeschichte der ehemaligen Abteikirche, die trotz jahrelanger Bauforschung noch immer „manches Rätsel aufgibt“. Die romanische Kirche des 11. Jahrhunderts verdankte ihre Entstehung dem Brand der aus dem 9. Jahrhundert stammenden karolingischen Vorgängerkirche. Jene war der Lebensmittelpunkt einer großen Mönchsgemeinschaft und hätte wieder aufgebaut werden können. Sie wurde jedoch komplett neu errichtet - an vielen Stellen mit bis heute sichtbarem Baumaterial aus der alten Kirche. Zum Zeitpunkt der von Lampert von Hersfeld für das Jahr 1040 bezeugten Weihe war lediglich die Krypta vollendet. Dies lässt sich - so Smit - anhand der Jahresringe von Gerüsthölzern rekonstruieren, die in der danach entstandenen Apsis aufgefunden wurden. Nach dem Hochmauern der Apsis folgte das des Langchores, des Querhauses und - gegen 1060 - das des Westchores.

Einzigartiges Phänomen

Im abgetieften Apsisraum, dessen Wände wahrscheinlich mit imitierten Vorhängen bemalt waren, seien Überbleibsel mittelalterlicher Fensterscheiben, Stuckreste und vieles mehr gefunden worden, berichtete die junge Wissenschaftlerin, die Kunstgeschichte, katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften studiert und ihre Magisterarbeit über die Stiftskirche geschrieben hat. Mit Blick auf die über Deutschland hinaus nirgendwo sonst nachweisbare Abtiefung erklärte sie: „Sie haben hier ein architektonisch und liturgisch einzigartiges Phänomen, das uns noch so manches Kopfzerbrechen bereiteten wird.“ Unbeantwortete Fragen gebe es auch noch in Zusammenhang mit dem Brunnen in der Hallenkrypta und der Treppenanlage zur Krypta.

Prächtige Malereien

Die Referentin vermutet, dass auch die Nischen im Langchor mit prächtigen Malereien versehen gewesen seien, und als der Zeit weit voraus ordnete sie die Vierblattfenster im Querhaus ein. Bezüglich des Westbaus stellte sie fest, dass dazu ursprünglich kein Turm gehört habe - die Türme seien erst später angebaut worden. Diese seien 1144, also zum Zeitpunkt der in Anwesenheit von Kaiser Heinrich III. vollzogenen letzten wichtigen Weihe, auch wesentlich niedriger gewesen als der heutige Südturm, der erst kurz nach 1156 als vorerst krönender Abschluss des ganzen Baus vollendet worden sei.

DAS GROSSE FEUER

Von Wilfried Apel

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