Geschäftsführer: Ohne Einsparungen geht es nicht

Mächtig Druck von chinesischen Firmen

Die von der Gewerkschaft IGBCE genannten fünf Millionen Euro an geplanten Einsparungen im Jahre 2014 beim Bad Hersfelder Unternehmen Performance Fibers bezeichnet dessen Geschäftsführer Matthias Hess als maximale Summe. Einschnitte müsse es aus seiner Sicht aber auf jeden Fall geben, um den Betrieb auch in Zukunft halbwegs wirtschaftlich führen zu können.

Aus diesem Grund gebe es Tarifgespräche zwischen der IGBCE und dem Arbeitgeberverband HessenChemie über einen unternehmensbezogenen Verbandstarif. Zum derzeitigen Verhandlungsstand mochte sich Hess im Detail nicht äußern, verwies aber auf einen harten Wettkampf auf dem Fasermarkt.

Die Konkurrenz aus China sorge für eine Überkapazität. „Wir haben eine jährliche Kapazität von 20 000 Tonnen und in China kommen jedes Jahr 200 000 Tonnen neu dazu. Und bei der Qualität gibt es mittlerweile kaum noch Unterschiede“, merkt Hess an. Und dann seien die Chinesen mit Kampfpreisen auf dem Markt unterwegs, die sein Unternehmen nicht einmal im Ansatz mitgehen könne.

Zu allem Überfluss gehe es auch der Automobilbranche zurzeit nicht sonderlich gut. Das ist ebenfalls schlecht für Performance Fibers, da die Fasern aus Bad Hersfeld zum Beispiel in Sicherheitsgurten und Keilriemen zu finden sind.

Vorteile für den Bad Hersfelder Faserhersteller sieht Hess dagegen im Bereich der schnellen Reaktionszeit. „Wir liefern auch kleinste Mengen an unsere Kunden. Und das binnen 14 Tagen nach Auftragseingang. Das hebt uns von der Konkurrenz aus China ab, die nur in Tonnen denken“.

Einen weiteren kleinen Vorteil seines Unternehmens sieht Hess in der Herstellung eigener Spezialitäten. „Wir sind beispielsweise in der Lage Geigenfäden zu produzieren. Das hebt uns von der Konkurrenz am Weltmarkt ab“. Jedoch sei diese Nische mit jährlich 300 bis 400 Tonnen eher klein.

Hoher Stromverbrauch

Obwohl der Kostendruck immens sei, wolle Performance Fibers im kommenden Jahr etwa 21 000 Tonnen Polyesterfasern produzieren. Und diese Produktion ist nicht billig. Wenn bei Performance Fibers alles unter Volllast läuft, werden enorme Mengen an Strom benötigt. Der Verbrauch des Unternehmens ist in etwa so hoch wie der aller privater Bad Hersfelder Haushalte zusammen.

Matthias Hess hofft trotz allem auf ein gutes Verhandlungsergebnis, mit dem beide Verhandlungspartner leben könnten. Schließlich sei es wichtig, dass es in der Faserbranche einen letzten Überlebenden in Europa geben müsse. Auf den Chinesen alleine möchte sich sicher nicht jeder verlassen wollen, merkt Hess an. (rey)

Kommentare