Bühnenversion von „Zweiohrküken“ kommt vor allem beim jüngeren Publikum an

Macken und Eifersucht

Eifersucht droht: Ludo (links, René Oltmanns) wird von seiner Ex-Freundin Marie (Celine Lochmann) angegraben. Freundin Anna beobachtet das mit Sorge (hinten rechts, Anna Jelica Batarilo). Foto: nh

Bad Hersfeld. Deutsches Popcorn-Kino auf der Theaterbühne – das kann funktionieren, muss aber nicht. Im Fall von „Zweiohrküken“ ist die Bühnenversion von Gunnar Dreßler nach dem Film von Til Schweiger und Annika Decker durchaus gelungen, kommt aber erst zur Mitte hin richtig in Schwung.

Die Komödie, die am Donnerstagabend die städtische Theatersaison 2011/2012 beendete, reduziert den Film aufs Wesentliche: nämlich die Beziehung zwischen Kindergärtnerin Anna (Anna Jelica Batarilo) und Ex-Boulevard-Reporter Ludo (René Oltmanns, bekannt aus der Telenovela „Sturm der Liebe“). Nach zwei Jahren hat sich bei den beiden der Alltag eingeschlichen und die Macken des Anderen werden allzu deutlich. Anna nervt Ludo mit ihrer bestimmenden Art, Ludo bringt Anna mit seiner Faulheit auf die Palme.

Eifersucht trübt das Glück

Als Ludos vollbusige Ex-Freundin Marie (Celine Lochmann) auftaucht und Anna in Ludos Handy stöbert, scheint das Ende der Beziehung nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Anna ist eifersüchtig, Ludo will seine Freiheit verteidigen. Er muss allerdings schnell selbst feststellen, wie es ist, plötzlich einen Rivalen zu haben, denn schließlich taucht auch der Ex von Anna auf, und der hat nicht nur einen großen Penis, sondern ist auch noch unglaublich gut im Bett, wie Ludo aus Annas Sex-Tagebuch erfährt...

Dass das Stück größtenteils aus Original-Dialogen des Films besteht, macht es am Anfang für alle, die den Film gesehen haben, nicht unbedingt spannend, vielmehr geht es etwas steif und schleppend los. Das ändert sich zum Glück schnell.

Überraschend erfrischend kommt etwa Ludos Rivale Ralf (gespielt von Manuel Dragan) daher. Der im Film ziemlich gutaussehende, aber ebenso langweilige Weltverbesserer ist in der Bühnenversion eher ein Charakterkopf – was nicht nur an den wirren Locken liegt, sondern vor allem an seinem bezaubernden Wienerisch. Der sympathische und gleichzeitig komische Akzent gibt der Figur Ralf einen ganz anderen Charakter und rettet das Stück davor, nur ein Abklatsch des Films zu sein.

Auch Ludos Kumpel Moritz (ebenfalls Manuel Dragan) wurde in die Bühnenversion von „Zweiohrküken“ integriert. Seine peinlichen Flirtversuche sorgen zwar für einen heiteren Nebenschauplatz, würden aber auch nicht unbedingt fehlen.

Gelungen umgesetzt sind das Kasperletheater als „Showdown“ zwischen Anna und Ludo und das Happy-End – Ende gut, alles gut.

Vor allem die jüngeren Besuchern waren begeistert. Unter den älteren Zuschauern schien die seichte Popkultur nicht überall anzukommen. Vereinzelte Pärchen verließen die Stadthalle in der Pause.

Von Nadine Maaz

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