Start der Veranstaltungsreihe „Bad Hersfeld liest ein Buch“ in der City-Galerie

Das macht neugierig

Startschuss: Von links Helgo Hahn, Michael Roth, Dr. Thomas Handke, die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek Sandra Rudolph und Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Foto: het

Bad Hersfeld. Wer will eigentlich diesen Krieg? Warum und wozu? Diese Fragen stellen sich ein paar deutsche junge Männer an der Westfront im Ersten Weltkrieg.

Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, hatte sich für seinen Lesepart in der Hoehlschen Buchhandlung am Samstag in der City-Galerie diese Textstelle aus Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ ausgesucht, in der einer der Soldaten sagt: „Krieg ist wie Fieber. Keiner will es eigentlich und plötzlich ist es da.“

Gemeinsames Literaturerlebnis

Der Auftakt zur 13. Leseaktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ machte neugierig auf die Veranstaltungen, mit denen in den nächsten Wochen die Hersfelder Bürger und Bürgerinnen zu einem gemeinsamen Literaturerlebnis herangeführt werden sollen.

Dr. Thomas Handke, der Schirmherr der Leseaktion, skizzierte zunächst nach der musikalischen Eröffnung von Helgo Hahn den Inhalt des von einer Jury ausgewählten Buches. Der deutsche Gymnasiast Paul Bäumer zieht mit seinen Klassenkameraden 1915 freiwillig in den Ersten Weltkrieg. An der Westfront in Frankreich verfliegt seine Begeisterung schnell, als er mit den brutalen Seiten, mit dem endlosen Trommelfeuer, den Grabenkämpfen und dem Tod konfrontiert wird. Seine Gedanken und Gefühle schildert Remarque in diesem 1928 geschriebenen, fiktiv-biografischen Roman. Am Tag von Bäumers Tod meldete der Heeresbericht, dass es im Westen nichts Neues gebe. Er wolle über eine Generation berichten, die vom Krieg zerstört wurde, auch wenn sie den Granaten entkam, schreibt der Autor am Anfang. Seine Geschichte vom Krieg und gegen den Krieg wurde in 50 Sprachen übersetzt und rund 20 Millionen Mal verkauft. Sie schürte eine extreme Reaktion der Nationalsozialisten, die das Buch verboten. Remarque floh 1932 in die Schweiz.

Auch die zweite Vorleserin bei der Auftaktveranstaltung, die DRK-Vizepräsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, hatte eine nachdenklich machende Textstelle ausgewählt, die mit der Arbeit des DRK und dessen Transportzügen zu tun hatte. „Wir haben als Kinder mit den Pickelhauben unserer Großväter gespielt, ohne zu wissen, wie viele grausame Erinnerungen damit verbunden waren“, erzählte sie. Dr. Handke moderierte die Veranstaltung und interviewte seine Gäste. „Es war Krieg und es ist Krieg“, sagte Roth, der für sein Fazit, dass nicht die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen wurden, nickende Zustimmung des Publikums bekam. Es gebe in jeder Familie noch Erinnerungen über Kriegserlebnisse. Um diese wachzuhalten und aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen, sei die Wahl auf Remarques Buch gefallen. Hierzu kann man der Jury nur gratulieren, denn der Roman ist eine Fundgrube an Unterrichtsmaterialien und wird sicherlich für lebhaften Gesprächsstoff sorgen. „Vermutlich passt kein Buch besser in dieses Jahr“, fand auch Michael Roth.

Von Vera Hettenhausen

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