Wochenendportrait: Irene Adolph kümmert sich seit Jahrzehnten um junge Menschen

Sie macht Kinder glücklich

Jede Menge Erinnerungen: Hunderten von Kindern hat Irene Adolph schon mit ihrer Hausaufgabenbetreuung zu schulischem Erfolg oder zu einem Erholungsurlaub verholfen. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Kinder glücklich machen – das hat sich Irene Adolph zur Lebensaufgabe gemacht. Schon als ihre eigenen Töchter noch klein waren, in den 1970er Jahren, begann sie damit sich um „Gastarbeiterkinder“ – so nannte man sie damals noch – zu kümmern.

Angesprochen wurde sie von Erika Schmidt-Glintzer bei einem Missionsfest der Kirche. Dort hatte Irene Adolph mit ihren Töchtern kleine Theaterstücke aufgeführt. „Mit ausländischen Kindern will das niemand machen“, bedauerte Erika Schmidt-Glintzer. Irene Adolph wollte – und studierte mit den Kindern ein Märchen für die Nikolausfeier ein.

Dabei ist es nicht geblieben. Die engagierte Christin stieg auch bei der seit 1970 bestehenden Hausaufgabehilfe des Vereins für Internationale Jugendarbeit ein. Zielgruppe auch hier ausländische Kinder, die aufgrund ihrer Sprachschwierigkeiten Probleme in der Schule und mit den Hausaufgaben hatten.

Ältere bringen Geschwister mit

27 Jahre lang stand sie dem Verein als Vorsitzende vor und ist erst jetzt einen Schritt zurückgetreten, als zweite Vorsitzende. Noch heute ist die 76-Jährige jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag aktiv bei der Hausaufgabenbetreuung. Sieben Frauen und drei Männer stehen dann in der Konrad-Duden-Schule bereit, um Kindern von der ersten bis zur zehnten Klasse bei ihren Aufgaben zu helfen, sie beim Deutschlernen zu unterstützen und mit ihnen für Arbeiten zu lernen. 20 bis 30 Kinder nutzen das Angebot, oft bringen die Älteren ihre kleinen Geschwister mit.

Lohn für Irene Adolph und die anderen Helfer ist das Vertrauen der Kinder, ihre Dankbarkeit und ihr Glück, wenn sich die Noten tatsächlich verbessern. Viele von „ihren“ Kindern haben inzwischen Karriere gemacht, freut sich Irene Adolph, haben Abitur und Studium bewältigt, Doktortitel erlangt, sich einen Namen gemacht.

Dem Verein für Internationale Jugendarbeit geht es aber nicht nur um den schulischen Erfolg. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wollen den Kindern auch ein wenig deutsches Lebensgefühl vermitteln. Das Plätzchenbacken in der Vorweihnachtszeit ist deshalb seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten.

Ihr großes Herz für benachteiligte Kinder zeigte Irene Adolph auch, als sie nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl zum ersten Mal von einem Erholungscamp für strahlenbelastete Kinder hörte. Seit 1991 organisiert sie mit Unterstützung des Vereins und vieler freiwilliger Helfer jeden Sommer einen dreiwöchigen Urlaub für 36 Kinder aus Mogilew in der Region Tschernobyl. Sie hält Kontakt nach Weißrussland, organisiert Bustransport, Aufenthalt und ein abwechslungsreiches Programm. Um das zu ermöglichen ist der Verein das ganze Jahr über unterwegs, um Spenden zu sammeln. Da werden Waffeln gebacken, Flohmärkte organisiert und auch die soziale Hütte auf dem Weihnachtsmarkt bestückt.

„Ich habe Freude an dieser Arbeit“, sagt Irene Adolph über ihre Motivation. Sie will bedürftigen Kindern helfen und versteht ihr Engagement für Menschen unterschiedlicher Herkunft – sie gehört zudem seit mindestens 30 Jahren zu den Organisatoren des Internationalen Freundschaftsfestes – auch als „friedenstiftende Sache“.

Von Christine Zacharias

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