Kundgebung der NPD geht im Lärm von rund 250 friedlichen Demonstranten unter

„Macht euch heim!“

Alle mal herhören: keine Demo ohne Megaphon.

Bad Hersfeld. „Macht euch heim!“ Als die Rechten etwas später als erwartet gegen 13.30 Uhr „endlich“ eintreffen wird es laut auf dem Vorplatz des Bad Hersfelder Bahnhofs. „Die sind auf der Autobahn links abgebogen“, hatten ob der Verspätung einige schon gespottet.

Mit Pfiffen und Nazis-raus-Rufen haben rund 250 Bürger am Samstag friedlich gegen die NPD-Kundgebung am Bad Hersfelder Bahnhof und für Toleranz demonstriert. Jung und Alt, Mann und Frau, links oder konservativ, über alle (Partei-)Grenzen hinweg wollten sie gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen: Rechtes Gedankengut ist in der Kur- und Festspielstadt unerwünscht. „Scheiß Nazipack“ und „Leider ungeil“ ist auf den Plakaten zu lesen.

„Mütter schämen sich“

Eine Frau zeigt den NPDlern wütend ihr Hinterteil und brüllt: „Eure Mütter schämen sich für euch“.

Zahlreiche Polizisten haben beide Seiten die ganze Zeit über aufmerksam im Blick.

Für Diskussionen hatten in den vergangenen Wochen bereits die Wahlplakate der NPD mit dem Slogan „Geld für Oma statt Sinti und Roma“ gesorgt, die Bürgermeister Thomas Fehling hatte abhängen lassen und die nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel schließlich wieder aufgehängt werden sollten (HZ berichtete mehrfach).

„Das ist allerschlimmste Diskriminierung“, sagt Sahin Cenik, Vorsitzender des Bad Hersfelder Ausländerbeirats, der kurzfristig auch noch Menschen für die Gegendemonstration mobilisiert hat. „Es ist schön, dass so viele Bürger sich gemeinsam gegen Diskriminierung und Rassismus aussprechen“, freute er sich.

Auch viele Sinti, von denen etwa 500 in Bad Hersfeld leben, hatten sich auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Mit dabei hatten sie ihre ganz eigenen Plakate: „Meine Oma mag auch Sinti und Roma“ war darauf zu lesen. „Allein kann man nichts erreichen“, erklärte Enrico Munk, in Bad Hersfeld geborener Sinti. Wobei er gerne noch mehr Sinti und Roma auf dem Bahnhofsvorplatz gesehen hätte.

Die Demonstranten trotzten auch dem Regen, der zwischenzeitlich ziemlich heftig prasselte. „Antifaschismus hat es noch nie leicht gehabt“, meinte Hansjörg Hirschfelder als Unterstützer des Ausländerbeirats mit dem Blick gen Himmel. „Wir wollen den braunen Spuk vertreiben“, so Hirschfelder. „So etwas dürfen wir nie mehr zulassen, weder hier in Bad Hersfeld noch woanders.“

War die laute Rockmusik mit rechten Texten auch nicht zu übertönen, zumindest von der Kundgebung, bei der auch Parteichef Holger Apfel sprach, war wegen des Lärms, den die Gegendemonstranten machten, so gut wie nichts zu verstehen.

Mit der Resonanz auf die Gegendemo war auch die Landtagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Kaya Kinkel, zufrieden, die die Demo in Absprache mit ihren Politkollegen angemeldet hatte. „Toll, dass so viele dabei sind!“

Noch vor 15 Uhr traten die etwa 15 zumeist in Schwarz gekleideten NPD-Anhänger schließlich den Rückzug an und für viele Bürger war klar: hoffentlich kommen sie so schnell nicht wieder. (nm)

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