65. Saison-Eröffnungskonzert des Chorvereins mit Musical-Melodien und Beethoven

Lustvoll zu den Festspielen

Auftakt für die Festspiel-Saison: Ein umjubeltes Konzert gaben der Chorverein und die Frankfurter Sinfoniker unter der Leitung von Helgo Hahn in der Bad Hersfelder Stadthalle. Am Klavier Hellmuth Vivell. Fotos: Sennewald

Bad Hersfeld. Den kurzen Weg von Gesang und Musik zu Spiel und Handlung aufzuspüren – das war wieder ein Hauptanliegen im Eröffnungskonzert der Bad Hersfelder Festspielsaison, diesmal der 65. Also verbanden sich am Sonntag in der voll besetzten Stadthalle aufs nachdrücklichste Wort und Ton, Klang und Geste.

Sogar ein Orientierungshelfer war mit von der Partie, der beliebte HR-Moderator Dieter Voss, diesmal sehr vorteilhaft eingesetzt auch als Sänger, Tänzer und Bühnenakteur. Seinen Wegweisungen, Erläuterungen und Anekdoten vertraute das Publikum sich gern an. Selbstverständlich auch seinen Animationen zum Applaus.

Am besten freilich erklärt die Musical-Musik sich selbst. Zumal so einfühlsam bis schlagkräftig gemachte von Komponisten wie Richard Rodgers („Oklahoma“) und Frederick Loewe („My fair Lady“) über John Kander („Cabaret“) und Claude-Michel Schönberg („Les Misérables“) bis zu Andrew Lloyd Webber („Das Phantom der Oper“) und den Sherman Brothers („Mary Poppins“). Und um so mehr, wenn sie so lustvoll und geschliffen gespielt wird wie von den Frankfurter Sinfonikern beziehungsweise so melodieverliebt gesungen wie von der metierkundigen US-Lady Deborah Cole (Sopran) zusammen mit dem Hersfelder Vokalensemble „TonArt“.

Kommt in diesem langen Teil vor der Konzertpause noch die Fantasie in jedem Hörer hinzu, wenn ihm so bildkräftige Nummern wie „I’ve grown accustomed to her face“, „The rain in Spain is mainly raining on the plain“ („My fair Lady“) oder „With a spoonful of sugar“ („Mary Poppins“) vor Ohren geführt werden.

Absolute Musik

Nach der Pause das Absolute, genauer: absolute, also programmfreie Musik. Halt, nicht ganz! Beethoven hat seiner „Egmont“-Ouvertüre op. 84 natürlich das Handlungsschema von Goethes Trauerspiel unterlegt und es in zehn Minuten mitreißend zusammengefasst. Da brauchte es gar nicht die zugehörige Schauspielmusik mit Lied, Melodram und Marschmusik. An deren Stelle hier sehr schlüssig platziert die selten gespielte Fantasie c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester. Für alle im Saal eine völlig andere Klangwelt als die Musical-Medleys zuvor. Doch machten der Dirigent Helgo Hahn und das Orchester mit Elan und Emphase es dem Publikum leicht, sich hier bei Muskel und Nerv gepackt und seelisch berührt zu fühlen.

Hahns einstiger Klavierlehrer Hellmuth Vivell, Hochschulpädagoge in Kassel, beleuchtete den vielgestaltigen, eben „fantasie“-vollen Solopart von immer neuen Seiten, vor allem in der Häufung der Arpeggien und Trillerketten. Und der veranstaltende Chorverein Bad Hersfeld ließ es sich nicht nehmen, in großer Besetzung den kleinen Chorpart auf den wenig inspirierenden Text eines gewissen Christoph Kuffner („Schmeichelnd, hold und lieblich klingen unsers Lebens Harmonien“) gesanglich aufzupolieren und zu einem hymnischen Schluss zu führen.

Übrigens: Mehr Musical („Cabaret“) und mehr vokalen Beethoven („Fidelio“) gibt es im Sommer in der Stiftsruine.

Von Siegfried Weyh

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