Schwierige Wahrheitsfindung im Prozess gegen einen mutmaßlichen Autodieb

Lustloser Wackel-Zeuge

Bad Hersfeld. Seine Aussage bei der Polizei ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Der 32-Jährige aus Ludwigsau nannte Ross und Reiter, als er zu einer Serie von Autodiebstählen im Umfeld einer Schrauber-Werkstatt bei Bebra vernommen wurde.

Doch schon als Angeklagter hatte sich der arbeitslose Kraftfahrer ins Ungefähre geflüchtet und wusste angeblich gar nicht mehr so genau, mit wem er wo welchen Pkw gestohlen hatte. Noch schlimmer dann der Auftritt des Ludwigsauers gestern vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld, wo er als Zeuge gegen einen mutmaßlichen Mittäter, einen 26 Jahre alten Schlosser aus Bebra, aussagen sollte.

Nein, der Angeklagte sei es nicht gewesen, mit dem er in der Nacht zum 27. Mai 2007 in Bad Hersfeld bei Autohäusern in der Hünfelder Straße erst ein Nummernschild gestohlen, dann an einem anderen Pkw angeschraubt und mit diesem davongefahren sei. Komplize sei vielmehr ein flüchtiger Bekannter gewesen, dessen Namen er nicht nennen wolle. Warum er den Schlosser belastet habe? Er sei sauer auf ihn gewesen, sagte der Kraftfahrer, weil ihm der Bebraer Geld geschuldet habe.

Weder der Hinweis des Gerichtsvorsitzenden, Richter Dr. Rolf Schwarz, dass Zeugen der Wahrheitspflicht unterliegen, noch der Vorhalt seiner polizeilichen Aussage, konnten den Ludwigsauer dazu bewegen, seine Angaben zu überdenken. Auch die Frage, ob er Angst vor dem Angeklagten habe, bewirkte nichts. Der Zeuge beharrte lustlos und stur darauf, der Schlosser sei es nicht gewesen.

Doch es gab noch einen zweiten Fall, einen Pkw-Diebstahl aus einem Parkhaus in Fulda, verübt in der Nacht zum 15. Juli. Diesmal bestätigte der Belastungszeuge, ein 21 -jähriger Azubi aus Bebra, alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Nur: Der Angeklagte will in dieser Nacht bei einer Geburtstagsfeier gewesen sein. Auch dafür gab es einen Zeugen.

Nicht mehr sicher

Weil der jedoch nicht mehr hundertprozentig sicher war, ob in den Geburtstag hinein- oder am Tag selbst gefeiert wurde, reichten seine Angaben weder dazu aus, den Schlosser zu verurteilen oder ihn freizusprechen.

Deswegen musste sich das Gericht vertagen, um am nächsten Montag weitere Zeugen zu vernehmen.

Der Angeklagte selbst trug übrigens zu Aufklärung des Falles nur wenig bei: „Ich weiß, dass ich es nicht war,“ war alles, was er zu sagen hatte.

Ganz aus der Luft gegriffen waren Verdacht und Anklage jedoch nicht: Der Schlosser ist vorbelastet. Und dann gab es ja auch noch die eindeutigen Angaben des Kraftfahrers bei der Polizei.

Von Karl Schönholtz

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