Britischer Historiker Tony McAleavy aus Malmesbury verfasst Buch über Stiftsgründer

Ein Buch über den heiligen Lullus

Freude über Lullusbuch: Vereinsgründer Dr. Sigmar Gleiser, der Historiker Tony McAleavy und Heinz-Jörg Kretschmar, der 1. Vorsitzende der „Friends of Malmesbury“. Foto: nh/Ernst

Malmesbury. Der britische Historiker Tony McAleavy hat gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Maria Marsh ein Buch über Lullus geschrieben. Es wurde Anfang September zum „Carnival“, dem englischen Pendant zum Lullusfest, in Malmesbury vorgestellt. In dem Kloster der kleinen Stadt im Südwesten von England hatte Lullus seine Ausbildung zum Mönch absolviert, bevor er gemeinsam mit Bonifatius die Christianisierung Germaniens begann und dabei das Stift in Hersfeld gründete.

 Diese enge Beziehung zwischen den beiden Städten war Auslöser für die Gründung des Freundschaftsvereins „Friends of Malmesbury“, der die Kontakte mit England pflegt. Vertreter des Vereins waren auch bei der Buchpräsentation dabei. „Lullus wird in dem Buch nicht nur für Malmesbury wieder zum Leben erweckt, sondern auch uns Hersfeldern wird ein Lullus geschenkt, der voll prallen Lebens mit Freud, Leid und intensiven, langen Kämpfen, mit Kontakten zu Pippin und Karl dem Großen, sowie mit der Kurie in Rom schließlich zu einer zentralen Gestalt des Überbringers einer Tradition und Kultur wurde, der wir uns bis heute verpflichtet fühlen und hoffentlich noch lange darüber hinaus“, berichtet der Gründer der „Friends of Malmesbury“, Dr. Sigmar Gleiser, von der Buchvorstellung.

Intensive Beziehungen

In einem sprachlichen und szenischem Feuerwerk entfaltete Tony McAleavy in seinem Vortrag den Charakter und die Person Lullus und faszinierte die weit über 100 Besucher der seit langem ausverkauft Buchvorstellung. „Auch wir sieben Hersfelder waren gleichermaßen begeistert und ergriffen, was uns hier über diese mit so vielen Talenten ausgestattete Persönlichkeit unseres Hersfelder Klostergründers ausgebreitet wurde“, erzählt Gleiser. So hatte Lullus beispielsweise zeitlebens intensive und von Respekt geprägte Beziehungen zu Frauen. Bevor er nach Malmesbury kam, lag seine Erziehung weitestgehend in den Händen einer Äbtissin.

In jener Zeit war das Kloster Malmesbury das religiöse, kulturelle und intellektuelle Zentrums Britanniens. Zu verdanken hatte es dies einem seiner Äbte, Aldhelm. Dieser hatte sein in langen Studien erworbenes Wissen an die Mönche seines Klosters weitergegeben. Zudem baute er eine beachtliche Bibliothek auf. Bereits einige Jahre nach seinem Tod tauchte dann Lullus in dieses inspirierende, geistig-spirituelle und intellektuelle Klima Malmesburys ein.

Sammlung von Dokumenten

In der österreichischen Nationalbibliothek in Wien gibt es eine Sammlung von Dokumenten, Briefen und weiteren Zeugnissen – auch über Lullus selbst. Tony McAleavy und Maria Marsh haben diese Schriften ausgewertet und konnten so ein lebendiges, lebensnahes Bild des überaus kreativen Menschen Lullus zeichnen. „Nun ist Lullus wieder in Malmesbury angekommen und in Zukunft auch dort wieder zu Hause“, freut sich Gleiser, für den Lullus einer der ersten echten Europäer ist. (red/kai)

Info: Saint Lull: „The Monk from Malmesbury who helped convert Germany to Christianity“ by Tony McAleavy & Maria Marsh. In absehbarer Zeit wird auch eine deutsche Übersetzung von Monica Thon erscheinen.

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