Lose Kanonen und skurrile Vorschläge

Kai A. Struthoff

Wenn sich auf den alten Kriegsschiffen in schwerer See ein Geschütz losgerissen hatte, dann sprachen die Seeleute von einer „loose cannon“. Die schwere Waffe, die eigentlich zum Schutz von Schiff und Mannschaft dienen sollte, drohte dann zur ernsten Gefahr für eben diese zu werden. Bürgermeister Thomas Fehling wird inzwischen immer mehr zu einer losen Kanone für Bad Hersfeld.

Seine neuerliche Attacke auf die Festspiele zur absoluten Unzeit ist nur die Spitze des Eisbergs, auf den das Stadt-Schiff zusteuert. Mag ja sein, dass Fehling aus Haushaltsgründen formal keine Festspielverträge ausstellen darf, wenn das Budget erschöpft ist. Aber sowas klärt man still hinter den Kulissen und droht nicht per Post. Denn solche Schreiben werden immer irgendwie öffentlich. Die alten „Seebären“ in seiner Verwaltung hätten ihm das sagen können, doch viele von ihnen hat er kalt gestellt. Laut Fehling gibt es in seiner Verwaltung aber ja ohnehin keine Bären, sondern „Frösche in einem Teich, den es trockenzulegen gilt“. Das allein spricht Bände. Kein Wunder, dass im Rathaus viele Frust schieben oder sich krank melden. Wir hören, dass die Zahl der Krankmeldungen in der Stadtverwaltung angeblich inzwischen nie gekannte Höhen erreicht hat.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen bewusst mit Kritik am Bürgermeister zurückgehalten. So sehr, dass wir bereits gefragt wurden, ob die Zeitung wohl den Schwanz einzieht. Aber im Interesse der Stadt wollten auch wir den fragilen Festspiel-Frieden wahren. Unterdessen feuerte aber die „lose Kanone“ weiter wild um sich. So langsam reichts! Dieses unglückliche Agieren sollten endlich auch die Parlamentarier erkennen und reagieren. Hinter den Kulissen denken mittlerweile wohl einige der langgedienten und inzwischen hoch besorgten Kommunalpolitiker schon über einen Misstrauensantrag nach, heißt es. Zeit wird es, bevor das einst so schmucke Schiff vollends leck schlägt! Doch andererseits: Wo sind die personellen Alternativen?

In Haunetal ist man da schon einen Schritt weiter. Der Bürgermeister ist weg, Alternativen aber gibt es auch dort nicht. Der skurrile Vorschlag von FWG-Chef Billing, die einzelnen Ortsteile einfach auf andere Gemeinden aufzuteilen, mutet ziemlich schräg an, obwohl uns der demografische Wandel vermutlich ohnehin früher oder später in Großgemeinden treiben wird. Doch politisch kommt ein derartiger Vorschlag einem Offenbarungseid gleich.

Die politischen Turbulenzen beuteln offenbar auch die Bad Hersfelder SPD. Wir hören, dass der verdiente Haushaltsexperte Bernd Wennemuth, dessen strenger Blick nicht nur Geistalschüler sondern auch Stadtpolitiker das Fürchten lehren kann, den Fraktionsvorsitz aufgeben will. Eine Troika aus Carsten Lenz, Daniel Faßhauer und Thomas Hahn soll die Fraktion künftig führen. „Verjüngung“ heißt das offiziell. Hinter den Kulissen hört man freilich, dass sich auch keine anderen Kandidaten bereiterklärt hätten.

Kommunalpolitik ist eben ein hartes Brot in diesen Tagen, das weiß man auch in Heringen, in Niederaula, und wo es sonst noch brodelt. Aber sonst ist eigentlich alles klar – auf der Andrea Doria!

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