Aktuelles Stück der Theater-AG des Obersberges feierte im Audimax seine Premiere

„Los Hamlet, empöre dich!“

Nach einer Demonstration unter Einsatz von „Wasserwerfern“ und „Tränengas“ gibt es ein Opfer – Hamlet und Laertes sehen nach, was sie noch tun können. Foto:Hanisch

BaD Hersfeld. Shakespeares Hamlet auf einer Theaterbühne zu inszenieren, ist nicht weiter verwunderlich. Dabei aber einen Zusammenhang zwischen der Tragödie und der Occupy-Bewegung herzustellen schon -- zunächst einmal. Denn genau das haben Klaus Riedel und Ronny Jakubaschk mit ihrer Theater-AG der MSO Bad Hersfeld geschafft.

Mit dem Stück „Occupy mich, Hamlet!“, das am vergangenen Freitag im Audimax auf dem Schulcampus Obersberg seine Premiere feierte, gelingt Riedel und Jakubaschk eine interessante Verbindung dieser zwei Komponenten. Die 15 Schauspielerinnen und Schauspieler verlagern das Handlungsgeschehen der Tragödie von Dänemark nach Stuttgart, Griechenland und Frankfurt, wo ebenfalls etwas „faul“ ist. Dies geht auf das bekannte Hamlet-Zitat „Etwas ist faul im Staate Dänemark“ zurück. Dänemark versinnbildlicht auf diese Weise die politische Ebene des Stückes. Denn mit dem Zitat wird nicht, wie in der Tragödie, auf den Mord von Hamlets Vater angespielt, sondern auf aktuelle politische Probleme wie Schulden- und Finanzkrisen der Banken, die rabiate Durchführung von Großprojekten oder die Griechenlandkrise -- Punkte, die die Occupy-Bewegung so kritisiert. Damit ist in der Handlung der ungerächte Mord an König Hamlet nur ein Teil der Misere.

Auf der zum Occupy-Camp umfunktionierten Bühne tritt Hamlet als „Wutbürger“ auf, der etwas tun möchte, sich dann aber doch nicht richtig traut und den Ansporn der anderen Aktivisten braucht: „Los Hamlet, empöre dich!“ – Nicht nur über den Mord an seinem Vater, sondern auch über die Schlechtigkeit der Gesellschaft.

Anspruchsvolle Unterhaltung

Da das Audimax, das als Theaterbühne ebenfalls Premiere feierte, nicht besonders groß ist, ist das Publikum mittendrin im Ort des Geschehens. „Es ist ein sehr dichtes Programm“, sagt Klaus Riedel über die einstündige Vorstellung, deren Ende relativ abrupt kommt. Und tatsächlich sorgen die schnellen Szenenwechsel, denen nicht immer leicht zu folgen ist, Kameraprojektionen an der Wand, viele Lieder und die hohe Interaktion der Darsteller für eine sehr kurzweilige und anspruchsvolle Unterhaltung. Hervorzuheben ist die überzeugende, schauspielerische Leistung der Schülerinnen und Schüler: „Alle haben ganz toll gespielt, mit viel Spaß und großer Klarheit -- es war eine schöne Premiere“, beurteilt Ronny Jakubaschk die Aufführung. Zum krönenden Abschluss fand in der Mensa der MSO noch ein Premierenabend für alle Schauspieler und Gäste statt.

Die Produktion von Riedel und Jakubaschk ist bereits preisgekrönt und zum Hessischen Schultheatertreffen im Juni in Bad Camberg eingeladen. Wer Lust bekommen hat: Für den 8. und 10. Mai, jeweils um 19.30 Uhr, sind noch zwei weitere Aufführungen des Stücks im Audimax auf dem Schulcampus Obersberg angesetzt. (chh)

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