Die Lollsrede von Bürgermeister Thomas Fehling im Wortlaut

Bad Hersfeld. Zum Auftakt des Bad Hersfelder Lullusfestes hält der Bürgermeister traditionell eine Ansprache an der Feuergrube, bevor mit dem Fackelwurf das Lullusfeuer entzündet wird. Wir dokumentieren Thomas Fehlings Ansprache im Wortlaut:

Werter Herr Feuermeister, sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Gäste aus unserer Partnerstadt Šumperk, von unserem Patenschiff S 75 Zobel und aus Malmesbury, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder, verehrte Gäste aus nah und fern!

Normalerweise wird bei der Rede zum Lullusfest gerne rückblickend saftig ausgeteilt und abgerechnet. Ich hatte den Eindruck, das ganze letzte Jahr verlief so. Beinahe nonstop wurde in alle Richtungen ausgeteilt und abgerechnet. Wir erlebten intensive Auseinandersetzungen zu den unterschiedlichsten Themen wie Windindustrie im Stadtwald, Lullus-Sportpark, Festspiele und Intendant, die es so nicht hätte geben dürfen. Denn bei allem, was wir tun, müssen die persönlichen Befindlichkeiten hinten angestellt werden. Alles andere schadet der Stadt Bad Hersfeld. Und genau deswegen möchte ich in diesem Jahr eine andere Rede halten. Keine, die austeilt, sondern eine, die zum Nachdenken anregt und uns ermutigt, es im nächsten Jahr besser zu machen.

Was sich nach der Mehrheitsentscheidung des Magistrats zur Entlassung des Intendanten ereignete, hätte ich mir nie vorstellen können. Das Gremium ist eigentlich zum Stillschweigen verpflichtet und trotzdem gingen innerhalb weniger Minuten Informationen an die Öffentlichkeit. Daraus entwickelte sich eine Lawine, die sich zerstörerisch auf alle Beteiligten legte. Die Möglichkeit, noch konstruktiv zu agieren, ging dadurch völlig verloren. Auch ging jegliches Maß und Ziel verloren - es wurde oft nur noch einseitig argumentiert. Magistratskollegen wurden massiv unter Druck gesetzt. Der ganz böse Bube war ich. Das fand ich ein bisschen zu einfach. Es wurde auch medial über das Ziel hinausgeschossen, die Fakten gerieten dabei in den Hintergrund. Das Ganze gipfelte dann darin, dass der Bürgermeister unter dem Deckmantel der Meinungs- und Kunstfreiheit mit einem Naziverbrecher auf eine Stufe gestellt wurde. Das hat mich sehr getroffen und verletzt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass mein Großvater wegen seiner demokratischen Einstellung von den Nazis inhaftiert wurde.

Ist das wirklich der Umgangston, den wir in dieser Stadt haben wollen?

In einer Demokratie muss gestritten werden, um die besten Lösungen zu finden, aber bei der Art und Weise sollte es Grenzen geben.

Am Ende hatte die ganze Stadt einen Schaden genommen, es gab keinen Sieger, sondern nur Verlierer.

Vielleicht sollten alle Beteiligten mal in sich gehen und den Mut haben sich einzugestehen, dass nicht alles so richtig war. Da schließe ich mich selbst nicht aus. Im Rückblick auf diese konfliktreiche Zeit hat sich meine Sichtweise auf bestimmte Formen des Umgangs auch verändert. Ich würde heute manches anders machen. Es hat zu viele persönliche Verletzungen auf allen Seiten gegeben.

Und deswegen möchte ich heute dazu aufrufen, die Gräben zu schließen. Helfen Sie mit! Seit drei Wochen ist Bad Hersfeld wieder positiv in den Schlagzeilen. Ich freue mich, dass Dieter Wedel der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist. Auch seinen Plänen, Holk Freytag für das nächste Jahr einzubinden, stehe ich aufgeschlossen gegenüber. Ich möchte für die Zukunft der Festspiele das Beste – suchen wir nach Wegen, dies zu erreichen, unabhängig von früheren Querelen.

Lassen Sie uns die Lolls-Woche dazu nutzen, wieder aufeinander zuzugehen, gemeinsam einen Lolls-Schoppen oder ein Lolls-Feuer zu trinken und vielleicht sogar die eine oder andere Hand zu reichen. Das lohnt sich bestimmt für jeden Einzelnen und vor allem für unsere Stadt. Denn wir haben in Bad Hersfeld viel Gutes aus dem letzten Jahr zu bieten:

-den ersten Bad Hersfelder Online-Bürgerdialog mit großer Bürgerbeteiligung

- die Erfolgsgeschichte StudiumPlus mit mittlerweile 140 Studenten

- den Umbau des Parkhauses am Neumarkt als Hotel und neue Heimat für das Buchcafé, welche in den nächsten Monaten den Brink und die Johannesstraße beleben werden

-die anstehende Neueröffnung der neuen Kindertagesstätte im Schilde-Park

- den Baubeginn der Algenzuchtanlage am Eichhof

- die tollen Platzierungen von Asbach und Kathus beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

- dass Petersberg als „dolles Dorf“ im Hessischen Rundfunk war

- die fertiggestellte Fulda-Renaturierung

- die  inzwischen positive Entwicklung im wortreich

- den Besuch von zwei Bundespräsidenten während der Festspielsaison

- die preisgekrönte Schilde-Halle wurde gerade zu einem der besten 10 Veranstaltungsstandorte in Deutschland gewählt

Herzlichen Dank an alle, die zu diesen tollen Erfolgen beigetragen haben.

Zudem möchte ich Sie auf die neue Lullusfest-App für Apple- und Android-Geräte aufmerksam machen. Laden Sie sich die App auf Ihr Gerät und bleiben Sie auf dem Laufenden, was gerade rund ums Fierche passiert.

Liebe Mückenstürmer, liebe Hergeloffene, Sie alle kennen unsere jährliche Lullusfest-Herausforderung mit den Glasscherben; insbesondere rund um unser geliebtes Fierche. Die Scherben stellen eine große Gefahr für uns alle dar. Und ganz besonders für die Kinder, die beim Kastanienaufheben in die Scherben greifen. Auch im letzten Jahr hat es einige unangenehme und sehr schmerzhafte Verletzungen gegeben.

Wir hätten ein Glasverbot aussprechen können, haben uns aber für die Kampagne „Nur Flaschen machen Scherben“ entschieden. Wir zählen dabei auf Ihr Verständnis und Ihre Mithilfe. Bitte stellen Sie Ihre leeren Flaschen nicht einfach achtlos neben sich, sondern bringen Sie diese in eine der zahlreichen Mülltonnen, die wir extra aufgestellt haben.

Zudem bieten wir Ihnen dieses Jahr erstmals eine Flaschenwurfbude an – sozusagen als Welturaufführung. Dort können Sie spielerisch Ihr Leergut entsorgen und sogar noch etwas gewinnen. Es ist der Versuch, ein ernstes Thema ungezwungen zu lösen - passend zum Lullusfest. Machen Sie mit und werden Sie zum Vorbild. Bitte helfen Sie aktiv mit, dass unser Lullusfest möglichst ohne Verletzungen bleibt.

Mein ganz besonderer Dank gilt auch in diesem Jahr allen Ehrenamtlichen in unserer Stadt für ihr unermüdliches Engagement. Ohne Ihr Mitwirken würde in uns in Bad Hersfeld etwas ganz Wichtiges fehlen.

Bei den Ehrenamtlichen lassen Sie mich eine Person herausgreifen: Unseren Feuermeister Klaus Otto. Ich finde, er hat seine Sache im ersten Jahr prima gemacht. Lieber Klaus, auch Dir und Deiner Frau herzlichen Dank für Euer Engagement.

Und nun, Herr Feuermeister, hören Sie:

Bürgermeister: Wir zünden an uralten Brand, Was soll er künden dem deutschen Land?

Feuermeister: Am guten Alten woll’n fest wir halten!

Bürgermeister: Und warum hüten in treuer Hut Wir Tag und Nacht des Feuers Glut?

Feuermeister: Wie die Väter in Ehren Woll’n wir uns bewähren!

Bürgermeister: Das Feuer brennt mit hellem Schein, Was soll der Bürger Losung sein?

Bürgermeister und Feuermeister: Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild, Ein Kreuz und einen Löwen wild. In Kreuz und Leid hab’ Löwenmut Und trau auf Gott, es wird wohl gut.

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