Wilfried Roßbach organisiert und prägt seit 30 Jahren das Lullusfest

Bei Lolls zählen Zentimeter

Der Plan hinter der Tür: Weil in der Altstadt nicht viel Platz ist, um 50 Fahrgeschäfte und andere Stände unterzubringen, wird das Lullusfest im Computer geplant. Wilfried Roßbach organisiert die Auswahl und Verteilung der Schausteller. Foto:  Janz

Bad Hersfeld. Große Fenster, große Bilder und eine Tür mit dem wichtigsten Plan der Stadt. Wilfried Roßbach hat ein Eckbüro im technischen Rathaus von Bad Hersfeld. An der Tür hängt der Plan des Lullusfestes. Wilfried Roßbach organisiert es seit 30 Jahren. Sein Ehrentitel: Mr. Lolls.

Zwei Schritte und Roßbach ist vom Besprechungstisch an der Tür. Mit dem Kugelschreiber deutet er auf die exakten Messpunkte. Nach diesen Vorgaben wird Anfang Oktober Deutschlands ältestes Volksfest aufgebaut.

„Früher haben wir den Plan von Hand gezeichnet und mit dem Bandmaß übertragen“, sagt Roßbach. „Das war zu ungenau.“ Heute wird die Planung zentimetergenau im Computer gemacht.

„Es gibt kein anderes Volksfest, bei dem der Plan so exakt eingehalten werden muss. Die anderen haben alle mehr Platz“, sagt Roßbach. Er trifft sich regelmäßig mit den Organisatoren der 30 bedeutendsten Volksfeste Deutschlands. Und Lolls ist vorn mit dabei, sagt er stolz. Nur mit den Kollegen vom Münchner Oktoberfest würde er gern mal tauschen.

Roßbach hat die Organisation 1980 von Gust Voit übernommen. Damals war er 24 und erst ein halbes Jahr Diplom-Verwaltungswirt. Für den Herschfeller war es toll, das Lullusfest organisieren zu dürfen. „Ich bin mit Lolls groß geworden.“ Zuckerwatte, Kastaniensammeln und Autoscooter fahren mit dem Großvater sind seine Kindheitserinnerungen. Das Fischbrötchen gehört für ihn noch heute zum Lullusfest dazu.

Nach ein paar Jahren hatte er genug gelernt, um etwas zu ändern. Lolls wuchs in den Achtzigern von 36 auf 50 Stände. Statt auf viele Stammbeschicker setzt Roßbach auf einen Drittelmix: Neulinge, Rückkehrer und Dauergäste unter den Schaustellern halten sich die Waage. Die Lollsgänger sollen immer etwas Neues entdecken.

„Der Besucher ist das Wichtigste an einem Volksfest. Sonst gäbe es keines.“

Wilfried Roßbach

Roßbach will ein „Volksfest vom Großvater bis zum Enkel“. Kein Fahrgeschäft gibt es doppelt. Selbst die fünf Kinderkarussells bedienen verschiedene Altersgruppen. Das Riesenrad ist für alle, der Autoscooter für die Jugend, Flip-Fly für die 16- bis 25-Jährigen.

„Der Besucher ist das Wichtigste an einem Volksfest. Sonst gäbe es keines“, sagt Roßbach. Aber auch die Schausteller sind zufrieden, weil in Bad Hersfeld Stimmung und Umsatz stimmen.

Roßbach muss aus 400 Bewerbungen ein Konzept entwickeln und geht auch mal ein Risiko ein. Einmal gab es einen Gurkenstand. „Das geht im Norden. Bei uns nicht.“ Dann zieht er auch schnell Konsequenzen. Aber der Erfolg des ganzen Festes hängt von diesen Versuchen nie ab.

Natürlich ist Roßbach kein Einzelkämpfer. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung helfen ihm und die Mitglieder der Festkommission. Aber in den nächsten Wochen richtet sich sein ganzes Leben nach Lolls. Seinen Geburtstag am 29. September hat er seit 30 Jahren nicht mehr richtig gefeiert.

Von Marcus Janz

Kommentare