Montagsinterview mit dem neuen Feuermeister des Lullusfests Klaus Otto

Lolls ist ein Stück Heimat

Fackelprobe des Feuermeisters: Klaus Otto hat die Flammen gut im Griff. Künftig muss der gelernte Fleischermeister das Lullusfeuer bewachen, damit das traditionsreiche Volksfest nicht nach Fulda geht. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Der 46-jährige Fleischermeister Klaus Otto wird in diesem Jahr neuer Feuermeister des Lullusfests. Er folgt auf Udo Roßbach, der im vergangenen Jahr überraschend seinen Rücktritt von dem Ehrenamt erklärt hatte. Kai A. Struthoff sprach mit dem neuen Feuermeister.

Herr Feuermeister – darf ich Sie überhaupt schon so ansprechen, oder müssen Sie erst noch eine offizielle Feuerprobe bestehen?

Klaus Otto: Einige sprechen mich schon als Feuermeister an, aber für die meisten bin ich der Herr Otto oder der Klaus. Am 13. Oktober findet zur offiziellen Amtseinführung eine Fackelübergabe in der Stiftsruine durch den scheidenden Feuermeister Udo Roßbach statt. Das ist eine schöne Sache.

Mussten Sie lange überlegen, als man Ihnen dieses Ehrenamt angetragen hat? Denn es kostet ja viel Zeit, und Zeit ist bekanntlich auch Geld.

Otto: Ich habe nach Lolls mit Udo Roßbach über das Amt und die Aufgaben gesprochen. Danach habe ich mich mit meiner Familie und natürlich auch mit meiner Firma beraten, damit ich auch wirklich zur richtigen Zeit den nötigen Urlaub bekomme. Als das alles klar war, habe ich schnell gesagt: Das mache ich.

Erfüllen Sie denn alle Voraussetzungen, die ein Feuermeister erfüllen muss? Sie sind doch sicher nicht innerhalb der Stadtmauer geboren ...

Otto: Das ist auch kein grundlegendes Kriterium für das Amt. Man muss selbst Handwerksmeister sein, genau wie der Vater, und in Hersfeld geboren. Ich bin damals noch auf Wigbertshöhe bei Dr. Götte geboren.

Udo Roßbach hinterlässt große Fußspuren. Welche persönliche Note wollen Sie dem Amt geben?

Otto: Ich möchte gern, dass man in der Lollswoche auch an Menschen denkt, die nicht Lolls feiern können. Ich denke, für diese Menschen kann man viel tun. Ich habe auch noch weitere Ideen, aber die werden noch nicht verraten.

Wollen Sie sich denn auch einen Bart wachsen lassen?

Otto: (lacht) Nein! Aber auf den meisten historischen Zeichnungen hat der Feuermeister ohnehin keinen Bart. Auf jeden Fall aber bleibt die Tracht gleich, denn das Ornat sollte man so lassen, wie es ist: Das ist gute Tradition.

Für einen Hergelofenen wie mich ist die enorme Begeisterung der Hersfelder für Lolls schwer zu verstehen. Können Sie es mir das erklären?

Otto: Lolls muss man als Ganzes sehen. Damit wächst man auf und wächst hinein. Lolls ist der Treffpunkt auch für Hersfelder, die sonst in aller Welt verstreut sind. Lolls ist einfach ein Stück Heimat.

Manche schlagen zu Lolls ordentlich über die Stränge. Was kann man gegen die Alkoholexzesse und die Gewalt tun?

Otto: Ich finde es erschreckend, wie lax der Verkauf von hartem Alkohol an Jugendliche in manchen Geschäften gehandhabt wird. Es wird zu selten nach dem Ausweis gefragt. Da sollten die Kontrollgremien genauer hinschauen. Wir waren ja früher auch keine Waisenknaben, aber Komatrinken gab es damals nicht.

Wie halten Sie es persönlich mit Alkohol? Als Feuermeister muss man ja einiges abkönnen.

Otto: Ich weiß, wann Schluss ist, und ich weiß, wie ich mich zu benehmen habe. Als Feuermeister ist man Repräsentant der Stadt, da kann ich nicht jedes Bierchen mittrinken.

Haben Sie schon die ersten Termine?

Otto: Als Erstes brauche ich mal meine Tracht. Alles weitere wird auf mich zukommen. Aber ich vermute, dass ich zum Beispiel zum Hessentag nach Kassel fahren werde. Udo Roßbach hat angeboten, mir bei diesen Terminen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Aber ich muss natürlich auch meinen eigenen Weg finden.

In der Region gibt es ja noch andere Heimatfeste. Welche Beziehung haben sie beispielsweise zum Strandfest in Rotenburg?

Otto: Der Besuch beim Strandfest war in meiner Familie eine gute Tradition. Wir haben uns immer gern das schöne Feuerwerk von Dickenrück aus angesehen. Und danach durfte der kleine Klaus dann auf dem Festplatz Karussell fahren.

Sie kommen zu unserem Interview direkt aus dem Krankenhaus. Ist der Feuermeister wieder voll einsatzfähig?

Otto: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte eine Schilddrüsen-OP, aber der Genesungsprozess ist schnell vorangeschritten und mir geht es wieder gut.

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