Opfer sollen völlig ahnungslos gewesen sein - Verhandlung bis Dezember terminiert

Lolls-Schlägerei: Staatsanwalt geht von Heimtücke aus

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Bad Hersfeld. Zwei der sechs Opfer, die im vergangenen Oktober bei einer Schlägerei am Rande des Bad Hersfelder Lullusfestes schwere Verletzungen erlitten, waren völlig ahnungslos, als sie von einer Vierkant-Aluminiumstange am Kopf getroffen wurden. Staatsanwalt Andreas Hellmich, der am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda, die Anklage gegen einen 25 Jahre alten Schausteller aus Niedersachsen verlas, sieht deshalb das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an.

Versuchter Mord und versuchter Totschlag in jeweils drei Fällen sowie einmal gefährliche Körperverletzung werden dem jungen Mann aus Niedersachsen vorgeworfen, der auf dem Festplatz im Geschäft seines Vaters gearbeitet hatte. Nach einem nächtlichen Treffen der Schausteller am Lullusfeuer war der 25-Jährige laut Anklage mit Gästen aus einem nahegelegenen Lokal in Streit geraten. Der Schausteller soll sich daraufhin eine Metallstange geholt und mit äußerster Brutalität zugeschlagen haben – zum Teil auf völlig unbeteiligte Lokalgäste.

Einem von ihnen fügte er demnach durch Schläge auf den Kopf lebensgefährliche Verletzungen zu. In sechs Fällen soll der Angeklagte dabei den Tod seiner Opfer billigend in Kauf genommen haben. Einmal schlug er laut Staatsanwalt auf einen bereits bewusstlosen Mann ein – was als erneuter Mordversuch angeklagt ist. Ob sich der Schausteller zu den Vorwürfen äußern wird, das ließ sein Verteidiger, Rechtsanwalt Axel Küster aus Wiesbaden, zunächst offen. Auch war der erste Prozesstag gleich nach der Verlesung der Anklageschrift gleich wieder zu Ende – der Termin war zur Fristenwahrung angesetzt worden, um den 25-Jährigen in Untersuchungshaft behalten zu können. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 10. August.

Krawatte und Lackschuhe

Der junge Mann, der am ersten Prozesstag mit gefesselten Händen in den großen Sitzungssaal des Fuldaer Landgerichts geführt wurde, hatte nichts Gefährliches an sich. Schwarzer Anzug, dunkelgraues Hemd, Krawatte und Lackschuhe, über der Stirn eine lange Haartolle, die das Gesicht verdeckte. Doch Pascal H. soll jener brutale Schläger gewesen sein, der am frühen Morgen des 17. Oktober vergangenen Jahres am Randes des Bad Hersfelder Lullusfestes mit Eisenstangen auf teilweise ahnungslose Lokalgäste eingedroschen hat und ihnen zum Teil schwerste Verletzungen zufügte. Laut Anklage soll der 25-Jährige den Tod seiner Opfer „billigend in Kauf genommen“ haben, weshalb ihm versuchter Mord und versuchter Totschlag vorgeworfen werden.

Tatsächlich waren heftig blutende Platzwunden noch das Wenigste, was die Getroffenen erlitten. Einem wurde der schützend vor den Kopf gehaltene Arm gebrochen, ein anderer wurde so schwer verletzt, dass Dauerschäden zu befürchten sind. Dieses Opfer wird möglicherweise im Prozess vor dem Schwurgericht gar nicht gehört werden: Eine Konfrontation mit dem Tatgeschehen würde laut ärztlichem Attest möglicherweise die Rehabilitation gefährden. Ohnehin erinnert sich der junge Mann wohl an nichts mehr. Vor Gericht vertreten ist er trotzdem: Rechtsanwalt Fritz Kramer, ehemaliger Landrat des Landkreises Fulda, vertritt die Nebenklage.

Wie es zu der Auseinandersetzung kommen konnte, ob und wieviel Alkohol im Spiel war, und weshalb an einem Fahrgeschäft zwei Eisenstangen deponiert waren, derer sich der Angeklagte dann bedient haben soll, das muss die Beweisaufnahme klären. Zeit dafür hat sich die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Josef Richter jedenfalls genommen: Der Prozess ist bereits bis in den Dezember terminiert. (ks)

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