Widersprüchliche Aussagen vor dem Schöffengericht – Angeklagter muss 3600 Euro Geldstrafe zahlen

Lolls-Schlägerei bleibt weiter rätselhaft

Bad Hersfeld. Wegen vollkommen widersprüchlicher Zeugenaussagen war die heftige Schlägerei auf dem Rummelplatz des Bad Hersfelder Lullusfestes vom 15. Oktober vergangenen Jahres vor dem Schöffengericht nicht aufzuklären.

Freigesprochen wurde der Angeklagte, ein 23 Jahre alter Trockenbauer aus Bad Hersfeld, dennoch nicht: Weil er im Gesamtgeschehen auf jeden Fall die Fäuste hatte fliegen lassen und sich anschließend gegen seine Festnahme durch die Polizei zur Wehr gesetzt hatte, wurde er wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Bewusstlos am Boden

Der ursprüngliche Vorwurf eine gefährlichen Körperverletzung bezog sich auf einen Vorfall am Auto-Scooter, wo ein bewusstlos am Boden liegender Mann mit Schlägen und Tritten traktiert wurde. Drei Polizisten eilten herbei und nahmen eine Person fest – den späteren Angeklagten. Das Opfer musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Zeugen aus den Reihen der Festbesucher berichteten jedoch, dass es im Umfeld dieser Schlägerei zeitgleich weitere Handgemenge mit einer ganzen Reihe von Beteiligten gab. Vor einem Fahrgeschäft auf der gegenüber liegenden Seite soll dabei auch der Trockenbauer mitgemischt haben, allerdings nicht annähernd so brutal wie beim Vorfall am Auto-Scooter.

Polizist verlor die Pistole

Während Staatsanwältin Lambiel eine Absprache unter den Entlastungszeugen unterstellte und ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung forderte, passten für Verteidiger Thomas Rath die geschilderten Sachverhalte nicht zusammen. Damit meinte er unter anderem eine Pistole, die einem Polizisten beim Gerangel aus dem Halfter gefallen war – doch vor Gericht wollte es keiner gewesen sein.

Richter Michael Krusche wies darauf hin, dass Gerichte in Deutschland im Gegensatz zu Ländern mit einer großflächigen Video-Überwachung öffentlicher Plätze, etwa England, auf die Erinnerungen von Zeugen angewiesen seien und dabei auch in Kauf nehmen müssten, dass diese sich täuschen.  hintergrund

Von Karl Schönholtz

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