Nach Schausteller-Gottesdienst und Fackelzug trifft sich die Lollsgemeinde in der Ruine

Lolls ist Lebenseinstellung

Sicheres Geleit: Die Jungen und Mädchen von der Jugendfeuerwehr Bad Hersfeld begleiteten mit Fackeln die Ehrengäste aus den Partnerstädten, vom Schnellboot Zobel und natürlich die Stadtpolitikerinnen und -politiker durch die Stadt. Fotos (5): Hartmann

Bad Hersfeld. Es gibt Menschen, die lieben den Sonntag vor Beginn des Lullusfestes fast noch mehr als das Fest selbst: Diese Atmosphäre gespannter Erwartung, die sich über die Stadt legt, die aufgeregte Vorfreude der Kinder, den Gottesdienst im Autoscooter, den Fackel- und Lampionzug, die Feierstunde in der Stiftsruine und anschließend Bad Hersfelds größte Sauna, den Lolls-Rock.

Auch gestern Abend kamen wieder hunderte von Herschfellern und Hergeloffenen trotz strömenden Regens in der Stadt zusammen, um gemeinsam diese Vorfreude zu zelebrieren.

Feste mit langer Tradition

„Lolls ist eine Lebenseinstellung“, das weiß auch Steve Kayser, der Festredner in der Stiftsruine. Er ist Historiker und ein großer Freund von Volksfesten und Schaustellern. Besonders haben es ihm die Feste mit langer historischer Tradition angetan, die mitten in der Stadt gefeiert werden und ein Bestandteil des Lebens der Menschen sind. So wie das Lullusfest.

Hier entsteht im Herzen der Stadt ein „Vergnügungspark vom Feinsten“. Inmitten des Alltags schaffen die Planer und die Schausteller Nichtalltägliches. „Genau das ist es, was die Magie der Kirmes ausmacht“, sagt Kayser. „Der Mensch wird bezirzt, er will bezirzt werden und taucht in eine kleine Stadt in der Stadt ein.“

Lollsbrüder: Nicht nur Feuermeister Udo Roßbach (links) und Bürgermeister Thomas Fehling (rechts) wissen die besondere Atmosphähre des Lullusfestes zu schätzen, sondern auch Festredner Steve Kayser aus Luxemburg.

Kayser schätzt auch die Rituale des Lullusfestes, vor allem das Fierche, das sieben Tage lang gehegt und gepflegt wird. „Das Lullusfest ist ein wahres Volksfest mit Seele. Bad Hersfelder Seele“, stellt der Historiker fest. „Ich bin beeindruckt, wie die Menschen hier sich mit ihrer Stadt und dem Fest identifizieren.“
Schaustellerei, so betont Kayser, sei ein universelles Kulturerbe. Dies gelte es – zunächst innerhalb des Projektes „Europäische Kulturstraße“ zu schützen. Volksfeste, wie das Bad Hersfelder Lullusfest oder auch die Luxemburger Schueberfouer seien Lebensorte europäischer Kulturgüter. Für Kayser wäre es deshalb die logische Konsequenz, sie zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe zu erklären.

Die Vorfreude hat auch Steve Kayer gepackt. Er kann es kaum erwarten, dass das Fest endlich beginnt.

Beeindruckt vom Vorabend des Lullusfestes zeigte sich übrigens auch der Bürgermeister von Malmsbury, der englischen Stadt, in der Lullus erzogen wurde. Er hoffe auf den Beginn einer sehr guten Freundschaft, sagte dazu Stadtverordnetenvorsther Dr. Rolf Göbel.

Von Christine Zacharias

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