HZ-Montagsinterview mit der Symbolfigur des Lullusfests, Feuermeister Udo Roßbach

Lolls – das Fest der Herzen

Feuermeister Udo Roßbach ist die Symbolfigur des traditionsreichen Lullusfestes, das fast ebenso alt ist wie die Stiftsruine, hier im Hintergrund. Damit das Feuer nie ausgeht, hat Roßbach ein überdimensionales Feuerzeug immer dabei. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Heute wird in Bad Hersfeld das Lullusfest eröffnet – das älteste Volksfest Deutschlands. Der Feuermeister ist die wichtigste Symbolfigur des Festes. Udo Roßbach hat dieses Ehrenamt seit zehn Jahren inne. In einer Gondel des 55 Meter hohen Bellevue-Riesenrads im Himmel über Bad Hersfeld sprach er mit Kai A. Struthoff über das Fest und sein Amt.

Herr Roßbach, war treibt einen erfolgreichen, selbstständigen Handwerksmeister dazu, acht Tage lang in einem ungewöhnlichen Outfit auf dem Rummel rumzuhängen?

Udo Roßbach: Die Liebe zu meiner Stadt, dem Lollsfest und zu dem, was von der Bevölkerung zurückkommt. Das bringt einem so viel, vor allem die Reaktion der Kinder, wenn der Feuermeister auftritt.

Erklären Sie uns „Daherge-loffenen“ doch mal, welche Aufgabe der Feuermeister hat?

Roßbach: Der Feuermeister ist das Bindeglied zwischen den Handwerksinnungen und der Stadt. Die Figur wurde 1927 von Schulleiter Wilhelm Neuhaus ins Leben gerufen. Man muss als Feuermeister in Hersfeld geboren sein, Handwerksmeister und am besten auch Sohn eines Handwerksmeisters sein. Vor mir hatten wir schon einige gestandene Herren – Schneidermeister, Fleischermeister, Mauermeister – in dem Amt. Für einen Hersfelder ist dieses Amt eine große Ehre.

Strenge Vorgaben...

Roßbach: Wir haben in unserem Wappen den Spruch: „Am guten Alten wollen fest wir halten.“ Es ist eine schöne Tradition. Mir macht diese Aufgabe viel Spaß, wenn wir nur hier aus dem Riesenrad schauen....

Genau, wir sehen von hier oben, wie schön es ist. Wie beschreiben Sie Auswärtigen das besondere Flair des Lullusfestes?

Roßbach: Das kann man nicht beschreiben, das muss man sehen. Wer einmal hier war, der kommt immer wieder. Nur dieses Fest erzeugt das Lollsfieber. Bei mir steigt es drei bis vier Wochen vor dem Fest. So geht das allen Hersfeldern. Das steckt im Herzen. Während des Festes wird auch nicht aufs Geld geguckt.

Sie tragen auch den Button der Aktion: „Lolls ohne Prolls“. Glauben Sie tatsächlich, dass man Jugendliche mit Slogans und einer Saftbar vom Saufen abhalten kann?

Roßbach: Das Angebot muss auf jeden Fall da sein. Im vergangenen Jahr war die Aktion ein großer Erfolg, das wird auch diesmal wieder so sein. Natürlich gibt es immer ein paar Vorfälle – aber kein Vergleich etwa mit der Wiesn in München. So etwas gibt es hier glücklicherweise nicht. Lolls ist ein Fest der Herzen.

Sie haben in den nächsten Tagen ein Mammutprogramm vor sich und müssen sicher auch das eine oder andere Lullusfeuer trinken. Wie bleibt man da fit, wie hält man durch?

Roßbach: Man muss schon Maß halten und mehr Wasser als Bier trinken und nicht jedes Lullusfeuer mittrinken. Man will ja auch viel erleben und mit vielen Leuten aus aller Welt feiern. Wir erwarten viele Gäste aus aller Welt – einige davon kommen sogar extra aus den USA.

Sie sollen ja vor allem das Feuer bewachen, denn wenn es verlischt, geht das Lullusfest der Sage zufolge nach Fulda. Was tun Sie also, wenn so ein richtiger Platzregen kommt?

Roßbach: Dann stelle ich mich noch etwas näher ans Feuer, damit ich nicht nass werde. Die Hitze des Feuers lässt keinen Wassertropfen näher als fünf Meter heran. Das Feuer wird nie verlöschen – dafür sorgen auch die zuverlässigen städtischen Mitarbeiter, die die Feuergrube bewachen. Und notfalls habe ich ja noch mein großes Feuerzeug, das mir der Wirt Harry von der Bad Hersfelder Cohibar geschenkt hat.

Schauen Sie sich ab und an schon nach einem Nachfolger um, oder sind Sie noch nicht amtsmüde?

Roßbach: Eigentlich wollte ich dieses Amt fünf Jahre ausfüllen, in diesem Jahr bin ich aber schon zehn Jahre dabei. Ich muss mir aber noch keine Gedanken um einen Nachfolger machen – ein paar Jährchen möchte ich schon gern noch Feuermeister sein.

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