Die Hersfelder Kantorei bewährt sich in der Stadtkirche mit Cherubinis Requiem

Lohn der Teamfähigkeit

Sicher auch auf abgelegenen Programmpfaden: Die Kantorei der Stadtkirche Bad Hersfeld glänzte unter der Leitung des ehemaligen Landeskirchenmusikdirektors Martin Bartsch mit dem Requiem von Luigi Cherubini. Foto:  Hans-Heinrich Hartmann

Bad Hersfeld. Ein Chor braucht seine verlässliche Integrationsfigur an der Spitze, den Dirigenten. Die Kantorei der Stadtkirche erhält im nächsten Jahr einen neuen Leiter. In der Zwischenzeit hat sie sich der Erfahrung Martin Bartschs versichert. Der Landeskirchenmusikdirektor im Ruhestand dirigierte die Kantorei am Totensonntag.

Erfahrung, das Gewusst-wie, die selbstverständliche musikalische Grundqualität und Teamfähigkeit bestimmten das Konzert. Dabei betrat die Kantorei selbst abgelegene programmatische Pfade. Vor allem mit dem Requiem in c-Moll des Italo-Franzosen Luigi Cherubini (1760-1842) – einem Beitrag zum 250. Geburtsjahr des einstigen Kultkomponisten.

Doch das Publikum kann das Werk Cherubinis heute nicht mehr so unkritisch aufnehmen wie zu seinen Lebzeiten. Nach den Monumentalwerken Berlioz’ und Verdis, nach den Kriegs-Exzessen des 20. Jahrhunderts begegnet es Cherubinis oft süßlicher, in Dur- und Dreiklangsseligkeit schwelgender Vertonung der Totenmesse distanzierter.

Stattliches Sängermaterial

So galt der Beifall nach dem Verklingen der Osterglocke in der gut besetzten Stadtkirche eher der Kantorei als der Komposition. Sie hat sich ihr stattliches sängerisches Material auch über der Neuorientierung der vergangenen Jahre bewahrt, ihren lichten, schlanken Chorklang und ihre wache Präsenz ebenso. Die Bewältigung der Text- und Klangmassen, die dramatischen Aufgipfelungen, etwa in der rasch Raum greifenden Tripelfuge „Quam olim Abrahae promisisti“, ist in erster Linie Verdienst der Kantorei.

Bisweilen, so im Larghetto des „Hostias et preces tibi“, hat der Dirigent ein zu gemächliches Tempo gewählt. Bartsch führte im Programmheft sehr detailliert durch Text und Musik. Doch im Konzert fand er mit Chor und Orchester in gut 50 Minuten zu einer geschlossenen Gesamtdarbietung.

An ihr hatte das Mitteldeutsche Kammerorchester Weimar seinen schlagkräftigen, aber auch fein zeichnenden, verdienten Anteil. Nicht zu vergessen die dreiköpfige Choralschola der Musikhochschule Frankfurt. Sie unterbrach den Fortgang mit einem gregorianischen Antwortgesang.

Vor dem Requiem erklang zunächst Mendelssohns Hymne „Hör mein Bitten, Herr, neige dich zu mir“, auch sie dicht gearbeitet als musikalisches Gebet von Vorsängerin Annegret Seiler mit lieblich-inniger Sopranstimme und dem Chor als bekräftigender Gemeinde. Als instrumentales Intermezzo fungierte das Allegretto a-Moll aus Beethovens 7. Sinfonie, ein unpompöser, diskreter Trauermarsch, der den Streicherklang favorisiert. Ihn kennt man vom großen Sinfonieorchester fülliger, wie es überhaupt eine Frage des Geschmacks ist, einer Beethoven-Sinfonie zu zerstückeln.

Von Siegfried Weyh

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