Brandermittler Jürgen Schade geht der Ursache von Feuern auf den Grund

Mit Logik und Erfahrung

Wichtigstes Arbeitsgerät: Mit der Schippe sucht Kriminalhauptkommissar Jürgen Schade in den Brandruinen nach verdächtigen Gegenständen. Im Einsatzfahrzeug ist die Ausrüstung untergebracht, die er bei seiner Arbeit vor Ort benötigt. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Jürgen Schades wichtigstes Arbeitsgerät ist eine einfache Schaufel. Die braucht der 54-jährige Kriminalhauptkommissar, um der Brandursache buchstäblich auf den Grund zu gehen.

Schade ist seit etwa 18 Jahren Brandursachenermittler bei der Kriminalpolizei in Bad Hersfeld. Das ist allerdings nicht der einzige Aufgabenbereich des Weiteröders. Als kommissarischer Leiter des Dezernats K 10 befasst er sich auch mit Raub, Mord oder Totschlag.

„Wichtig sind die Aussagen der Zeugen, die das Feuer entdeckt haben oder als Feuerwehrleute zuerst an der Einsatzstelle waren“, erklärt der 54-Jährige. Sie könnten oft entscheidende Hinweise auf die Stelle liefern, an der der Brand ausgebrochen ist.

Sicherheit geht vor

„Die Sicherheit geht natürlich vor“, betont Schade. Ins Innere einer Brandruine kann der Ermittler deshalb erst vordringen, wenn die Löscharbeiten abgeschlossen sind. Starke Brandzehrungen an den Holzbalken seien dort oft ein Indiz für den Ursprung des Feuers. „Wir arbeiten nach dem Ausschlussprinzip“, erklärt der 54-Jährige. Er halte deshalb zuerst nach offenen Feuerstellen, elektrischen Anlagen oder möglicherweise heißgelaufenen Maschinenteilen Ausschau. Ist der Ausbruchsort lokalisiert, setzen Schade und seine Kollegen die Schippe an und räumen den Brandschutt beiseite. „Wir suchen nach verdächtigen Gegenständen“, erklärt der Ermittler. Das könne ein Feuerzeug oder ein Benzinkanister sein. Aber auch ein elektrisches Gerät, das dann beim Landeskriminalamt auf einen Defekt untersucht wird.

„Man muss mit Logik arbeiten“, betont Jürgen Schade. Besonders seine Berufserfahrung komme ihm zu Gute. Viel gelernt habe er auch von den Spezialisten des Landeskriminalamtes. Die werden routinemäßig bei schweren Bränden mit Toten oder Schwerverletzten hinzugezogen. Aber auch, wenn Schade und seine Kollegen mit ihrem Wissen nicht weiterkommen. „Wenn am Ende alles andere ausschließbar ist, kommt nur noch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung in Frage“, erläutert der Kriminalhauptkommissar. Ermitteln müsse die Polizei bei jedem Brand. Während bei in die Mülltonne eingefüllter heißer Asche die Ursache schnell ausgemacht sei, gestalteten sich andere Fälle kniffliger.

Blick von oben

Bei einem Scheunenbrand an einem Neujahrsabend etwa gab erst der Blick von oben auf die Brandspuren Aufschluss: Eine Feuerwerksrakete glimmte an den Dachlatten, von dort griff das Feuer auf Balken und Stroh über. In einem anderen Fall gab schließlich ein zweites Gespräch mit den Eigentümern Aufschluss: „Sie hatten den Fußboden mit Leinöl behandelt und die Lappen danach in den Mülleimer geworfen – ohne zu wissen, dass es zur Selbstentzündung neigt“, berichtet Schade.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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