Abo-Theater „Die Wahrheit“ in der Stadthalle – Helmut Zierl im Beziehungslabyrinth

Lobgesang auf die Lüge

Er mit ihr und sie mit ihm? Von links: Paul (Uwe Neumann), Alice (Susanne Berckhemer), Michel (Helmut Zierl) und Laurence (Karin Boyd) tragen den Grundkonflikt auf der Bühne aus. Foto:  Schmidl

Bad Hersfeld. Wie kann man ein Stück über die Lüge „Die Wahrheit“ nennen, ohne zu lügen? Die Antwort darauf ist der Untertitel, der sich auf die Wahrheit bezieht: „Von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen“. Am Mittwoch gastierte das Euro-Studio Landgraf aus Titisee-Neustadt mit „Die Wahrheit“ aus der Feder von Florian Zeller in der ausverkauften Stadthalle.

Peter Lotschak – viele Jahre lang Intendant der Bad Hersfelder Festspiele – führte Regie bei der Komödie, in der die Handlung und die Charaktere brillant konstruiert sind. Das Publikum amüsierte sich prächtig in diesem Beziehungslabyrinth rund um die Hauptfigur Michel (Helmut Zierl). Ein Lügner, der von den anderen belogen wird. Von seiner Frau Laurence (Karin Boyd), seinem besten Freund Paul (Uwe Neumann) und Alice, dessen Frau (Susanne Berckhemer).

Das vierköpfige Ensemble spielt glänzend, herausragend der aus vielen Fernsehproduktionen bekannte und beliebte Schauspieler Helmut Zierl als Michel, der sich angesichts der Lüge der anderen ehrlich empört. „Die Leute haben wirklich keine Moral“, zetert ausgerechnet der Schwerenöter, der seine Frau mit Alice betrügt.

Gestohlene Stunden zwischen zwei Terminen im Hotel und dann endlich ein erstes gemeinsames Wochenende mit der Geliebten. Michel will auf keinen Fall, dass etwas herauskommt, aus Liebe, Respekt, um alle angeblich zu schonen und vor allem aus Rücksicht auf ihn. „Vergiss nicht, dass wir beide verheiratet sind, besonders du“, ermahnt er Alice und bedrängt sie, immer weiter zu lügen. Sie lehnt das ab.

Empörung ist echt

Michels Empörung ist echt, als er erfahren muss, dass sein bester Freund ihn schon viel länger mit seiner Frau betrügt und – fast noch schlimmer – seit eineinhalb Jahren beim Tennis immer absichtlich gewinnen lässt. „Du schläfst mit meiner Frau? Du schläfst mit meiner Geliebten?“ echauffiert er sich.

Der Schauspieler zeigt alle funkelnden Facetten des betrogenen Betrügers. „Paul weiß es, dieser Dreckskerl. Monatelang hat er mich verarscht“, verdreht er die Wahrheit. Laurence streitet das Verhältnis mit Paul allerdings ab.

Wer mit wem? Das Publikum weiß letztendlich auch nicht, wem es glauben soll in dieser anspruchsvollen, französischen Komödie über Liebe, Freundschaft, Wahrheit und Lüge, verlorenes Vertrauen, Rache und die Erkenntnis: „Wenn die Leute aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein Paar mehr auf Erden“.

Frenetischer Applaus belohnte die Protagonisten auf der Bühne für neunzig Minuten vorzügliche Unterhaltung.

Von Gudrun Schmidl

Kommentare