Live-Musik an jeder Ecke

Ausgelassene Stimmung zu vorgerückter Stunde: Die kubanische Band „Azucar Cubana“ trat den ganzen Abend lang am Brink auf. Dem Aufruf, auf der Bühne Salsa zu tanzen, folgten einige Zuhörerinnen voller Begeisterung. Fotos: Carmen Knoth

Bad Hersfeld. Viele Fans des Live-Jazz-Festivals konnten es sicherlich kaum glauben, dass sie in diesem Jahr ihren Regenschirm getrost zu Hause lassen durften. Bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen fühlte man sich beinahe in die amerikanischen Südstaaten versetzt, wo der Jazz seine Wurzeln hat.

Das 27. Jazzfest begann am Freitagabend mit einem Konzert unter dem Motto „A Night in New Orleans“. Ganz im Stil der Mississippi-Metropole wurde das Publikum schon an der Tür von einer Marching Brass Band empfangen. Als besonderer Gast sang Lillian Boutté, die offizielle musikalische Botschafterin der Stadt New Orleans. Mühelos nahm die kleine Frau mit großer Stimme die Zuhörer dank ihres Charmes für sich ein. Schon nach kurzer Zeit schaffte sie es, das Publikum zum Mitsingen zu animieren.

Am Samstag füllte sich die Hersfelder Innenstadt schon am Vormittag mit sonnen- und musikhungringen Passanten. Die Tische vor den Cafés in der Fußgängerzone und am Linggplatz waren restlos besetzt und die Gäste ließen sich bei kühlen Getränken oder großen Eisbechern von den herüberwehenden Klängen der ersten Jazzbands verwöhnen. Besondere Aufmerksamkeit der jüngeren Besucher genoss derweil ein Ballon-Artist, der aus bunten Luftballons Tiere und Blumen knotete.

Jazz auch im Kinocenter

Am Nachmittag wurde im Kinocenter der Film „The Sound after the Storm“ gezeigt, der beim Züricher Filmfestival 2009 als bester Dokumentarbeitrag ausgezeichnet worden war. Der Film zeigt, wie Lillian Boutté und andere Musiker versuchen, die Krise nach dem Hurrikan Katrina zu überwinden und die einmalige Kultur der Stadt am Leben zu erhalten. Rund 50 Jazzfans sahen sich das preisgekrönte Werk auf der großen Leinwand an. Den herrlichen Sommernachmittag wollten anscheinend nicht viele Menschen im dunklen Kinosaal verbringen.

Applaus für Boogie Wolf

Gegen Abend waren Jazzbands jeglicher Stilrichtung in der ganzen Stadt verteilt, und aus allen Ecken tönte die Musik. Aber nicht nur die großen Bühnen auf dem Linggplatz und am Lullusbrunnen lockten viele Zuhörer an. Auch Christoph Steinbach, genannt „Boogie Wolf“, erntete brandenden Applaus für sein Pianospiel vor der City Galerie.

Fotos

Live-Jazz 2010

Nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Hersfelder Kneipen „steppte der Bär“. Im Alten Brauhaus standen die Zuhörer dicht an dicht beim Auftritt der „Bluesmencrew“. Auch im Buchcafé waren alle Plätze besetzt, als das „Markus Minarik Trio“ Variationen bekannter Songs spielte. Mit Reibeisenstimme sang Minarik zum Beispiel „Salisbury Hill“ von Peter Gabriel.

Kubanische Rhythmen

Zu vorgerückter Stunde herrschte immer noch ausgelassene Stimmung am Brink, wo „Azucar Cubana“ das Publikum mit kubanischen Rhythmen zum Tanzen verführte. Einige Zuschauerinnen und Zuschauer wagten sich sogar auf die Bühne und hatten beim Salsa sichtlich Spaß.

Nachdem die Spuren des nächtlichen Treibens beseitigt waren und die Jazzfreunde sich eine Runde Schlaf gegönnt hatten, wurde der Live Jazz 2010 am Sonntagmittag mit einer Matinee am Linggplatz abgerundet.

Von Carmen Knoth

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