Montagsinterview mit Martin Knauff vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord

Am liebsten hier einkaufen

Die Kunden in die Stadt holen: Martin Knauff, der stellvertretende Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord, stellt sich dem Wettbewerb mit den Anbietern im Internet. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Leute vom Bildschirm in die Stadt zu holen – das ist die Aufgabe, der sich die Geschäfte in Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra angesichts immer stärkerer Konkurrenz durch Online-Händler gerade im Weihnachtsgeschäft stellen müssen. Wir sprachen mit Martin Knauff, dem neu gewählten 1. Vorsitzenden des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord. Er hat diese Position von der bisherigen Vorsitzenden Helga Schwedes-Mandt übernommen, die nun seine Stellvertreterin ist. Knauff ist zudem Geschäftsführer der Sauer-Gruppe in Bad Hersfeld, die mehrere Modehäuser und die City Galerie betreibt.

Herr Knauff, Hand aufs Herz: Wo kaufen Sie Ihre Weihnachtsgeschenke ein?

Martin Knauff: Wenn ich sie hier bekomme, dann in Bad Hersfeld.

Und im Internet?

Knauff: Ich kaufe mir selber mal ein Weihnachtsgeschenk, aber das ist dann etwas, das ich weder in Hersfeld noch in Hessen kriege, sondern das nur im Internet angeboten wird. Einen Vergaser für einen Oldtimer zum Beispiel.

Aber so etwas wie Bücher oder Bekleidung würden sie nicht beim Online-Händler kaufen?

Knauff: Nein, lieber hier vor Ort. Aber ich muss natürlich auch in anderen Städten schauen, was der Wettbewerb macht. Nicht nur in Frankfurt oder Kassel, sondern bundesweit. Wenn ich die Gelegenheit habe, mich in Fußgängerzonen umzuschauen, dann mache ich das auch.

Der Wettbewerb findet also nicht nur im Internet statt.

Knauff: Ja eben, genau.

Sehen Sie die Entwicklung im Handel insgesamt mit Sorge?

Knauff: Das ist schwierig zu beantworten. Hätte man meinen Urgroßvater mit seinem kleinen Handwerksbetrieb gefragt, ob er die Entwicklung des mechanischen Webstuhls mit Sorge betrachtet, dann hätte er wahrscheinlich ja gesagt. Aber die Industrialisierung ließ sich nicht aufhalten. Wir sehen, was daraus geworden ist.

Das heißt auf unsere Zeit übertragen, dass man sich veränderten Bedingungen stellen muss.

Knauff: Man muss halt sehen, was man aus dem macht, was man an Angeboten und Gestaltungsmöglichkeiten vorfindet.

Was müssen Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra unternehmen, um auch in Zukunft bestehen zu können?

Knauff: Noch vor 30 Jahren war in Städten wie Rotenburg ein komplettes Angebot vorhanden, um den Einkaufszettel von oben bis unten abzuarbeiten. Das hat sich verändert, und dann brechen die Kunden automatisch weg. Bad Hersfeld wird meiner Ansicht nach diesen kompletten Markt auch weiter darstellen. Geschäftsaufgaben wie jetzt im Bereich Spielwaren und Heimtextilien werden immer noch durch Mitbewerber aufgefangen. Und Bebra hat es ebenfalls richtig gemacht, weil es sich als Kommune mit dem Bau des Einkaufszentrums gegen diese Einbrüche gestellt hat.

Auch Rotenburg hat ein neues Einkaufszentrum...

Knauff: Meine Meinung dazu ist bekannt. Ich halte den Standort für falsch, weil es dort bei 7500 Einwohnern in der Kernstadt eigentlich zwei Innenstädte links und rechts der Fulda gibt. Man hätte die Zentren verbinden müssen, so aber gibt es durch das Rotenburg-Center sogar eine Dreiteilung. Und das bedeutet eine Schwächung.

Wenn Sie könnten, wie Sie wollten, was würden Sie unternehmen?

Knauff: Sagen wir mal so: Wenn ich könnte, wie ich wollte und würde etwas unternehmen, dann würde ich das garantiert nicht in die Zeitung schreiben, sondern möchte, dass es erst mal geheim bleibt... (lacht)

Von Karl Schönholtz

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