HZ-Interview mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling, der jetzt ein Jahr im Amt ist

Lieber nachhaltig als Spektakel

Mehr als Festspiele, Jazz und Lolls – in Bad Hersfeld wird immer etwas geboten: Die Ganzjahreskultur ist ein Thema, das Bürgermeister Thomas Fehling besonders am Herzen liegt. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Mit dem Jahreswechsel ist Thomas Fehling ein Jahr lang Bürgermeister von Bad Hersfeld. Zeit für eine Zwischenbilanz und Fragen zu seinem Arbeitsstil, zu seiner Entscheidungsfreude, zum Stress, zu Erfolgen und Misserfolgen.

Herr Fehling, ein Jahr ist herum – sind Sie jetzt immer noch gerne Bürgermeister von Bad Hersfeld?

Thomas Fehling (lacht): Mir wurde ja die Frage gestellt, ob ich es schon bereut hätte, aber ich kann sagen, ich bin es nach wie vor gerne und habe es auch noch keine Sekunde bereut. Wenngleich es Momente gab, in denen ich tief Luft geholt und mich gefragt habe, wie ich das hinbekommen soll. Das Jahr war schon sehr kräftezehrend.

Haben Sie ein Beispiel parat?

Fehling: Es ging ja gleich turbulent los mit dem Hochwasser und kurz darauf mit Rücktritt von Herrn Boehmer als Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe. Das war ein sportlicher Start. Richtig hart war auch der Oktober mit der wortreich-Eröffnung, der Jubiläums-Gala und dem Lullusfest. Parallel dazu haben wir im Hintergrund schon am Haushalt gearbeitet. Das war eine riesige Kraftanstrengung.

Sie hatten ja einen neuen Arbeitsstil und Umgangston für das Rathaus angekündigt. Hat das funktioniert?

Fehling: Diesen kulturellen Wechsel bekommt man nicht von heute auf morgen hin. Das braucht seine Zeit. Es gibt immer Personen, die das sehr schnell aufgreifen, andere haben erst ein bisschen abgewartet und vielleicht gibt’s auch den einen oder anderen, der mit diesem Stil nie zurechtkommen wird. Aber wenn dann ein Mitarbeiter sagt, wir hätten hier schon so viel gelacht wie die ganzen letzten Jahre nicht, dann ist das auch ein Beispiel dafür, dass man die Arbeit mit Freude verrichten kann.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Sie Vieles fortführen mussten, was noch Ihr Vorgänger in die Wege geleitet hat. Aber gibt es schon etwas, das Sie sich ganz persönlich auf die Fahne schreiben?

Fehling: Es gibt nicht das ganz große Projekt. Ich würde da eher die kleinen Erfolge aufzählen wollen. Ich denke da an die Online-Buchung bei den Festspieltickets, an die Verbesserung interner Abläufe und die Neuausrichtung des Kurbetriebs. Das ist vielleicht nicht spektakulär, aber Voraussetzung dafür, dass wir bei der täglichen Arbeit nach vorne kommen. In diesem Zusammenhang sehe ich aber auch den Lullus-Sportpark und das Thema Ganzjahreskultur, das mittlerweile erste Früchte trägt. Das sind Veränderungen, die ich sehr positiv finde.

Und wie sieht es andersherum aus? Was würde der Thomas Fehling vom Ende des Jahres gerne anders machen als der Neuling im Amt?

Fehling: Nichts, jedenfalls kein großes Ding. 2011 stand schon unter dem Motto Erfahrungen zu sammeln. Natürlich gab es hier und da Punkte, wo es ein wenig hitzig wurde und wo ich nicht dachte, dass es gleich so hohe Wellen schlägt. Dazu gehört die etwas unnötige Geschichte mit den Wandergesellen, über die ich auch heute nur den Kopf schütteln kann. Aber so etwas kann immer wieder passieren.

Sie haben sich ja auch erst daran gewöhnen müssen, dass beim Bürgermeister jeder Halb- und Nebensatz ungeahntes Gewicht bekommen kann.

Fehling: Auf jeden Fall. Da musste ich dazulernen und verstehen, dass jede Aussage eine Eigendynamik entwickeln und dann auch missverstanden werden kann.

Von Karl Schönholtz

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