Bad Hersfelder Festspiele: Familienstück Don Quijote feiert heute Premiere

Liebenswerter Loser

Ungleiches Paar: Ritter Don Quijote (Viola von der Burg, links) und Knappe Sancho Pansa (Thomas Gimbel). Foto: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. Sein aussichtsloser Kampf gegen die Windmühlen hat als geflügeltes Wort Einzug in den Sprachgebrauch gehalten – wenngleich diese Szene in der Romanvorlage vergleichsweise wenig Raum einnimmt.

Die Geschichte vom Landadeligen Don Qujote, der – obwohl die Ritterzeit längst vorbei ist – mit Rüstung, Schlachtross und Lanze ins Abenteuer zieht, hat der spanische Dichter Miguel de Cervantes im Jahr 1605 veröffentlicht. Das Werk gilt als erster Roman der Literaturgeschichte. Die Bühnenfassung feiert heute um 21 Uhr in der Stiftsruine Premiere als Familienstück der Bad Hersfelder Festspiele.

Das Werk gilt als Persiflage auf die in der Entstehungszeit beliebten Ritterromane: Fasziniert von diesen Erzählungen zieht Quijote mit seinem Pferd Rosinante in die Schlacht. Seine Jugendliebe – das Bauernmädchen Dulcinea – erklärt er zur Gebieterin seines Herzens, für die er gemeinsam mit dem Knappen Sancho Pansa Abenteuer besteht. Dabei bringt er alles, was ihm begegnet, mit dem Rittertum in Verbindung. So werden Windmühlen zu Riesen, Schafherden zu feindlichen Heeren oder eine Schenke zur Festung. Obwohl Sancho Pansa die Torheit, für die das ungleiche Paar regelmäßig Prügel bezieht, durchschaut, hält er Quijote die Treue. Denn dieser hat ihm als Lohn für seine Dienste die Herrschaft über eine Insel versprochen.

Der Berliner Autor Tobias Bungter, der gemeinsam mit Laura Quarg auch Regie führt, hat die Bühnenfassung für die Bad Hersfelder Festspiele geschrieben. Dabei hat Bungter bekannte und weniger bekannte Szenen wie etwa die Hochzeit von Camacho ausgewählt und misst Figuren, die in der Romanvorlage eher Randerscheinungen sind, eine größere Bedeutung zu. Der Autor sieht in Don Quijote einen liebenswerten Loser (Verlierer), der bewusst verrückt werden will, weil ihm die reale Welt zu langweilig ist. Genauso bunt wie Quijotes Fantasie, verspricht Bungter, soll auch die Inszenierung werden. Fast 100 farbenfrohe Kostüme kommen zum Einsatz, es wird gesungen und getanzt.

Der hagere Ritter von der traurigen Gestalt wird von einer Frau verkörpert: Viola von der Burg spielt den Don Quijote. Der festspielerfahrene Thomas Gimbel gibt den Sancho Pansa. Die übrigen Ensemblemitglieder schlüpfen im Laufe des Stücks in mehrere Rollen.

Die Geschichte von Fantasie, Freundschaft und Träumen soll für Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene gleichermaßen geeignet sein. Mit Vehemenz verteidigt Intendant Holk Freytag sein Konzept, anstelle eines reinen Kinderstücks Theater für die ganze Familie anzubieten.

Ob das bei Don Quijote aufgeht oder doch eher dem Kampf gegen Windmühlen gleicht, davon können sich die Zuschauer ab heute überzeugen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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