Abschluss Performance des europäischen Austauschprogramms Europolis 2050

Liebe als Pantomime

In Aktion: Neben Schauspielerei standen auch einige Tanzeinlagen mit auf dem Programm der Europolis Performance. Fotos: Brandau

Bad Hersfeld. Der Einstieg ist inszeniert. 40 Jugendliche füllen die Fensterrahmen der Schildehalle. Simultan führen sie Bewegungen aus. Sechs Plakate hängen in der Halle. Beschriftet mit den Worten Sicherheit, Respekt, Gesundheit, Liebe, Familie und Freiheit. Die Zuschauer positionieren sich unter dem „Wert“, der ihnen am wichtigsten ist.

Gespannt konzentriert sich das Publikum darauf, dem beginnenden Sprachgewirr zu folgen. Jedes Teilnehmerland stellt sich in seiner Sprache vor. „Shabbat Shalom“ ertönt es aus Israel.

Schildehalle als Catwalk

Zunächst stellen die Nachwuchsschauspieler vor, was sie unter Werten verstehen. In kleinen Szenen versuchen sie darzustellen, wie Liebe, Freiheit oder Freundschaft für sie aussieht. Kurzzeitig wird die Schildehalle zum Catwalk, denn auch Schönheit spielt heutzutage eine große Rolle.

Lebendige Geschichte: Die Zuschauer sind aktiv mit eingebunden, und jeder Nachwuchsschauspieler erzählt etwas Persönliches.

Nun müssen die Zuschauer aktiv werden. Welche Werte sind bedeutend für sie? Die Jugendlichen nehmen die Ideen pantomimisch und schauspielerisch auf. Das Improvisationstalent des Nachwuchses ist nicht zu verachten. Es ist nicht gerade einfach, die Antwort eines Zuschauers auf die Frage „Was ist Liebe?“ nachzuspielen. „Love is the inspiration of doing“ (Liebe inspiriert zum Tun). Das muss man erst mal spielen können.

Persönlich und ergreifend

Begeistert ist das Publikum, als die Jugendlichen zu lebendigen Geschichten werden. Jeder Zuschauer kann einen Schauspieler antippen und einer Geschichte lauschen. Eine Geschichte über Traditionen, Liebe oder Freundschaft. Es wird deutlich, inwiefern einzelne Werte von Bedeutung sind.

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Europolis 2050 Performance

Ganz persönlich wird es, als einige Teilnehmer Familienfotos über Beamer präsentieren und über ihr Zuhause berichten.

Still wird es im Publikum, als die Geschichte eines missbrauchten Mädchens erzählt wird. Freundschaft und Respekt sind wie weggeblasen. Es wird etwas dargestellt, was heute leider oft genug für viele Mädchen zur Realität wird. Allein, verlassen und verängstigt.

Als Folge suchen die Jugendlichen spielerisch nach einem Platz, an dem sie frei sein können. „Haben sie sich jemals frei gefühlt?“, fragt Gergey die Zuschauer, bevor er wie wild einen Hindernisparcour überspringt, der für ihn Freiheit symbolisiert. Über diese Frage wird das Publikum wohl noch länger nachdenken.

Die Geschichte des Mädchens Hope, welches im Europa der Zukunft immerzu glücklich ist, wird wohl eher eine Utopie bleiben.

Der zusammengewürfelte Haufen schafft es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und in einem Abschlusstanz zu zeigen, dass gegenseitiger Respekt für sie einen hohen Stellenwert hat.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen, Leiter der Sommerakademie, hat Recht in dem, was er zum Abschluss sagt. „Emotionen und Werte sind die Quelle, aus der sich der Geist Europas speist.“ Holk Freytag berichtet, dass Europolis auch im nächsten Jahr Bestandteil der Festspiele sein wird.

Was in den Proben noch im Chaos steckte, hat in kürzester Zeit zusammengefunden– genau wie die Jugendlichen.

Von Lea-Marie Brandau

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