Bad Hersfelder Festspiele: Sommernachts-Träumereien im Stiftspark begeistern

Liebe, Macht und Magie

Fabelhafte Fabelwesen: Elfenkönig Oberon (Christian Schmidt) schickt Kobold Puck (Anna Graenzer) los, um Liebeszauber zu bewirken und Verwirrung zu stiften. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Was für eine Nacht, die die Zuschauer da im Park der Stiftsruine in knapp zwei Stunden durchleben! Während die heiße Junisonne sich langsam hinter den Mauern der Stiftsruine versteckt, wird dem Publikum ein Blick erlaubt in die Träume einer Sommernacht – drei Paare, die teilweise auf verschlungenen Wegen und mit Hilfe der Magie zueinander finden, nicht ohne vorher verborgene Leidenschaften ausgelebt zu haben.

Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Diese Frage stellen sich nicht nur die Akteure immer wieder, sie wird auch an die Zuschauer gerichtet, die sich nicht nur amüsieren sollen, sondern eingeladen werden, nach ihren eigenen Wünschen, Träumen und Sehnsüchten zu suchen.

Überraschende Auftritte

Für seine „Sommernachts-Träumereien“, eine Adaption der Shakespeare-Komödie, hat Regisseur Joern Hinkel einen neuen Spielort entdeckt – den Park neben der Stiftsruine. Und den bevölkert er mit einer Fülle von interessanten und skurrilen Figuren, nutzt Büsche, Bäume und Mauern für überraschende Auftritte, sodass es während der ganzen Zeit überall etwas zu gucken und zu entdecken gibt.

Hier begegnen sich die Welten der Menschen (in weißen und schwarzen Kostümen) und die der Feen, Elfen und Zauberwesen (in rot und schwarz gewandet), dazwischen die schauspielernde Handwerkertruppe um Peter Block und Niklas Zettel in Blau. Entworfen hat die Kostüme Ella Späte.

Die Darstellerriege ist hochkarätig: Christian Schmidt zeigt einen Theseus, hinter dessen hochherrschaftlicher und mitunter sogar liebenswürdiger Fassade ein ungezähmter, gewaltbereiter Machtmensch steckt und einen sehr körperlichen, virilen und durchtriebenen Elfenkönig Oberon.

Seine Partnerin und Gegenspielerin ist Géraldine Diallo, die die Hippolyta mit einerseits puppenhaft-steifem Äußeren, andererseits dem Willen zur Selbstbehauptung spielt und als Titania sinnlich, lebendig und zugleich sehr machtbewusst daherkommt.

Mittler zwischen den Welten, mit besonderer Freude daran, Verwirrung zu stiften und Streit zu entfachen ist Puck (Anna Graenzer) mit faszinierender Körpersprache und ausdrucksvoller Mimik.

Zwischen Liebe und Enttäuschung bewegen sich mit großer Spielfreude und viel Körpereinsatz Lena Kluger (Hermia), Ute Reiber (Helena), Raul Semmler (Lysander) und Peter Englert (Demetrius).

Publikumslieblinge sind jedoch die Handwerker, die mit ihrem Esel unterwegs sind, ein Theaterstück einstudieren und aufführen wollen und dabei immer wieder zwischen die Welten geraten, allen voran André Eisermann als grandioser, selbstverliebter, aber auch nachdenklicher Zettel und Markus Majowski als pflichtbewusster, sich ständig in Fremdwörtern verfangender Peter Block, der zudem als Haushofmeister Philostrat zwischen Unterwürfigkeit und Machtbewusstsein gefällt.

Kleindarsteller – einfach gut

Ein großes Lob gebührt auch den vielen Kleindarstellern, die singen, tanzen, spielen, sprechen – einfach gut!

Regisseur Hinkel ist ein neuer Blick gelungen auf die vielgespielte Shakespeare-Komödie und der Stiftspark als Spielort ist, zumindest bei gutem Wetter, eine echte Entdeckung. Kleinere technische Probleme mit dem Ton – die Schauspieler, vor allem Puck, waren in den hinteren Reihen teilweise schwer zu verstehen – werden sicher noch in den Griff zu bekommen sein. Für die Plastikstühle sei, wie einstmals in der Ruine, die Mitnahme eines Kissens empfohlen.

Das Publikum hat sich jedenfalls bestens unterhalten. Häufiger Zwischenapplaus und am Schluss langanhaltendes Klatschen, Trampeln und Jubeln im Stehen waren Ausdruck der Begeisterung.

Weitere Termine: 20., 21., 26., 27., 28. Juni, 10., 11., 12. Juli, jeweils 18 Uhr.

Von Christine Zacharias

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