Liebe und Frieden

Kai A. Struthoff

Eigentlich gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: das Wetter. Sengende Hitze wechselt sich mit heftigen Gewittern ab. Sogar die Vorführungen der Festspiele mussten ab und an unterbrochen werden, weil es so pladderte. Trotzdem tanzten die Darsteller der West Side Story am Sonnabend so bravourös durch den Regen, als stünde „Singing in the Rain“ auf dem Spielplan. Und die Wetterkapriolen gehen weiter. Die Hitze hält an, und unsere Bauern fürchten um ihre Ernte.

Während Deutschland schwitzt, herrscht in der Bad Hersfelder CDU Eiszeit. Überall nur Kopfschütteln über den Verzicht der Partei, einen eigenen Kandidaten ins Bürgermeisterrennen zu schicken: Trauerspiel und Armutszeugnis heißt es dazu allerorten. Dabei wäre der streitbare CDU-Fraktionschef Gunter Grimm dem Vernehmen nach durchaus bereit gewesen, sich die Ochsentour des Wahlkampfes anzutun. Er wurde allerdings erst gefragt, als diverse vermeintliche Hoffnungsträger von außerhalb abgewinkt hatten und das Kind bereits im Brunnen lag. Da wollte Grimm auch nicht mehr – verständlich.

Nachdem zuvor schon der frühere Bürgermeisterkandidat Hans Wilhelm Saal öffentlich desavouiert worden war, wird die Personaldecke immer dünner. So mancher bislang engagierte Christdemokrat denkt inzwischen sogar daran, die Partei frustriert zu verlassen.

Martin Gröll, dem parteilosen Bewerber um das Bürgermeisteramt, ist die CDU-Wahlempfehlung offenbar gar nicht so recht. Mancher meint sogar, sie könnte ihm schaden. Kein Wunder, dass sich Gröll wortreich bemüht, seine Unabhängigkeit und seine CDU-Ferne zu betonen. Für die Christdemokraten ist das allerdings ein zweiter Schlag ins Gesicht.

Manchmal bedauere ich insgeheim, dass ich erst 1963 und nicht schon ein paar Jahre früher geboren wurde. Im legendären „Summer of Love“ 1968 war ich leider noch viel zu klein, um mit den Hippies in Woodstock oder im Golden Gate Park Liebe und Frieden zu zelebrieren. Als ich 15 Jahre später – natürlich stilecht mit Blumen im Haar – zum ersten Mal über die Golden Gate Bridge nach San Francisco fuhr, erntete ich nur ein paar amüsierte Blicke.

Aber zum Glück gibt es ja das Burg Herzberg Festival. Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ich mag die entspannte Atmosphäre auf den Wiesen am Fuße der alten Trutzburg. Alle sind gut drauf, es gibt viel zu sehen und auch diesmal wieder tolle Musik.

Vielleicht sollte unsere Bad Hersfelder CDU mal eine Fraktionssitzung auf dem Hippie-Festival abhalten. Wer dort nur tief genug einatmet, der kommt bestimmt auf erhebende Gedanken. Und eine Nachhilfestunde in Sachen Liebe und Frieden könnte den „Parteifreunden“ auch nicht Schaden! struthhoff@hersfelder-zeitung.de

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