34. Opernfestspiele: Georges Bizets Oper „Carmen“ feiert mit bunten Massenszenen in der Bad Hersfelder Stiftsruine Premiere

Liebe und Tod vor alten Mauern

Prächtige Kulisse: Ensembleszene aus „Carmen“. Foto:  Hartmann

Bad hersfeld. Wenn weiblicher Freiheitsdrang und männliche Besitzgier aufeinanderprallen, wird es böse enden. Don José ersticht Carmen, die ihm den Ring vor die Füße geknallt hat. Derweil bringt in der Arena sein Nebenbuhler Escamillo den Stier zur Strecke. Liebe und Tod – ein untrennbares Paar in der tragischen Überhöhung, wie sie die Oper liebt.

Man kann Georges Bizets „Carmen“ als Revolutionswerk über eine starke Frau oder als reißerische Männerfantasie deuten, auf jeden Fall eroberte die Oper nach der kühl aufgenommenen Uraufführung 1875 rasch die Welt. Ihre Wirkung verfehlte sie auch nicht bei der Eröffnung der 34. Bad Hersfelder Opernfestspiele.

„Carmen“ in der Stiftsruine – das bedeutet buntes Treiben jenseits modernistischer Regie und eine beeindruckende Kulisse. In der Inszenierung von Rainer Wenke tummeln sich Soldaten, Tabakfabrik-Arbeiterinnen, Kneipen- und Stierkampfbesucher, ein auch altersmäßig gemischtes Völkchen. Der große Chor weiß stimmlich zu überzeugen, Sympathiepunkte sammelt der Kinderchor des Bach-Hauses Bad Hersfeld, weitere Jugend kommt von der Tanz- & Ballettschule Michèle Meckbach.

Hübsch dargestellt ist die weibliche Begeisterung angesichts des Toreros Escamillo, den die Mädels wie einen Popstar bejubeln. Ein prächtiges Tableau zu vorgerückter Stunde: das Finale mit dem Einzug der Stierkämpfer und blutrot beleuchteten alten Mauern.

Wie immer wird deutsch gesungen. Kein Nachteil für Barbara Buffy (Carmen), denn gute Textverständlichkeit zählt zu den Qualitäten der präzise agierenden Mezzosopranistin, die auch das nötige Quäntchen Stolz mitbringt. Eine einprägsame Darstellerin einer kleinen Rolle ist Julia Ebert (Frasquita) dank leuchtender Stimme und zierlich-kesser Optik.

Viel Zwischenapplaus bekommt Bomi Lee (Micaëla) für ihren schönen lyrischen Sopran – in der Artikulation könnte die Koreanerin eins drauflegen. Als respektabler, wenn auch manchmal etwas eng klingender Tenor präsentiert sich Herbert Wüscher (Don José), während Bariton Yang Li (Escamillo) eher schwächelt.

Georges Bizets Oper „Carmen“ in der Stiftsruine

Die musikalische Leitung liegt beim verdienstvollen Intendanten Siegfried Heinrich, der das Opernorchester Virtuosi Brunensis mehr weich und klangschön als feurig musizieren lässt.

Langer Premierenbeifall.

Von Georg Pepl

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