Licht im November-Nebel

Kai A. Struthoff

Dies ist der Herbst, der bricht dir noch das Herz“ hat der Dichter und Philosoph Friedrich Nietzsche über den „Deutschen November“ geschrieben. Wie Recht er doch hat! Ich mag den November auch nicht. Daran kann auch die eine Stunde länger schlafen dank der Zeitumstellung nichts ändern. Nebel, Kälte, kahle Bäume, die ihre schwarzen Äste um Sonne flehend gen Himmel recken. Das alles erwartet uns bald, trotz des goldenen Herbstwetters der vergangenen Tage. Kein Wunder, dass die Totengedenktage in diesen düsteren Monat fallen.

Dabei gab es in der vergangenen Woche durchaus erhellende Meldungen – etwa vom regionalen Arbeitsmarkt. Nirgendwo sonst in Hessen ist die Arbeitslosigkeit so stark zurückgegangen, wie in unserem Bezirk. Ob das freilich die rund 4000 Hartz-IV-Empfänger und die vielen Ein-Euro-Jobber tröstet, die schon längst in keiner Statistik mehr auftauchen?

Gleichwohl: Endlich geraten Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wieder in ein richtiges Verhältnis. Das dürfte vor allem die Geringverdiener freuen, denn wer die Wahl hat, wird nicht freiwillig zu Dumpinglöhnen arbeiten. Die großen Logistiker tun sich offenbar schwer damit, die nötigen Saisonkräfte für das Weihnachtsgeschäft zu finden. Wer weiß, vielleicht sollten sie mal ein paar Euro drauflegen.

Auch in Rotenburg haben die Geschäftsleute längst erkannt, dass ein gutes Angebot die Nachfrage steigern kann. Deshalb rüstet sich die dortige Geschäftswelt schon jetzt für die zu erwartenden schweren Zeiten des Brückenbaus, die die Innenstadt so ziemlich lahmlegen wird. Die „Soko Brücke“ hat jedenfalls einige pfiffige Ideen auf Lager, wie mit Aktionen, Rabatten und Shuttle-Service trotz allem Kunden in die Stadt gelockt werden sollen. Eine „Baustelle“ kann auch zur „Schaustelle“ werden – das hat schon woanders funktioniert! Warum also nicht auch in Rotenburg?

Knallebumsvoll war die Bad Hersfelder Stadthalle bei der Bürgermeisterdiskussion unserer Zeitung. Hinterher hatte wohl jeder so seinen eigenen Tipp, wer denn nun das Rennen macht. Mich hat das große Publikumsinteresse sehr gefreut, denn es zeigt doch, dass die Zukunft der Gemeinde den Bürgern nicht egal ist. Hier vor Ort wird Politik greifbar und gestaltbar. Hoffen wir, dass sich diese große Publikumsresonanz auch in der Wahlbeteiligung niederschlägt.

Wer wählt, der darf mitreden. Wer nicht wählt muss stillschweigen! Auch wenn in diesem düsteren Monat November bei manchem die Verdrossenheit obsiegen mag – Wählen ist Bürgerplicht.

„Fliege fort, fliege fort“ dichtete Nietzsche. Ich kann ihn gut verstehen. Aber haltet durch: Noch sieben Wochen bis zu den Weihnachtsferien.

struthoff@hersfelder-zeitung.de

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