Montagsinterview: Staatsminister Michael Roth (SPD) äußert sich zum Festspiel-Streit

„Leute, jetzt ist mal Schluss“

Sorgt sich um die Zukunft der Festspiele: Staatsminister Michael Roth. Foto: Janz

Bad Hersfeld. Nach dem Rauswurf des Bad Hersfelder Festspielintendanten Holk Freytag hat sich der Heringer Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD) ungewohnt klar positioniert. Wir sprachen mit dem Staatsminister, der mit dafür gesorgt hat, dass Bundespräsident Joachim Gauck mit seinem österreichischen Amtskollegen Heinz Fischer in diesem Sommer die Festspiele besucht hat.

Herr Roth, der Magistrat hat die Kündigung für Holk Freytag nicht zurückgenommen, das Thema auch nicht mehr diskutiert. Haben Sie noch mit einer Wende gerechnet?

Michael Roth: Die überwältigende Solidaritätsbekundung für Holk Freitag und die breite, auch kontroverse Debatte über die Zukunft der Festspiele haben mich schwer beeindruckt. Da hatte ich schon die Hoffnung, dass erkannt wurde, welch schwerer Fehler begangen wurde. Es geht ja nicht mehr um einen kleinkarierten Konflikt zwischen Bürgermeister und Intendant. Längst sind die Festspiele insgesamt in eine bedrohliche Lage geraten. Aber zur Umkehr ist man im Rathaus offenkundig nicht mehr bereit.

Sie haben Freytags Rauswurf ungewohnt scharf kritisiert. Warum melden Sie sich erst jetzt öffentlich zu Wort?

Roth: In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder hinter den Kulissen mit den Beteiligten gesprochen und zu vermitteln versucht. Da gab es die klare Verständigung, dass bis zum Ende der Saison die Festspiele auf der Bühne und nicht die Konflikte hinter der Bühne im Vordergrund stehen. Ich war entsetzt, als dann von dieser Verabredung schlussendlich nichts mehr übrig blieb. Ich habe es nun als meine Pflicht angesehen, auch öffentlich zu sagen: Leute, jetzt ist mal Schluss.

Im Sommer haben zwei Bundespräsidenten und zahlreiche Botschafter die Festspiele besucht. Wird das in der Stadt genug gewürdigt?

Roth: Bad Hersfeld ist von allerhöchster politischer Seite mit viel Respekt und Anerkennung versehen worden. Die Hersfelder haben sich gefreut und waren durchaus auch stolz. Andere Festspielorte hätten sich die Finger danach geleckt. Dass man das im Bad Hersfelder Rathaus aber einfach so vom Tisch wischt und nicht als Verantwortung sieht, jetzt die Festspiele auf ein sicheres Fundament zu stellen und in eine gute Zukunft zu führen, macht mich fassungslos.

Wird es vor dem Hintergrund dieser Querelen gelingen, einen neuen Schirmherr für die Bad Hersfelder Festspiele zu finden?

Roth: Wenn man sich nicht in Gänze der Lächerlichkeit preisgeben möchte, sollte man derzeit keine Briefe mehr an den Bundespräsidenten oder irgendjemand anderen schreiben. Mit so einem miserablen bundesweiten Medienecho wird man doch keinen renommierten Schirmherr gewinnen. Die Hausaufgaben sind von denjenigen zu erledigen, die die bedrückende Lage herbeigeführt haben.

Die haben Sie kürzlich der Kleinkrämerei bezichtigt. Ist deren Forderung so unangemessen, in Zeiten knappen Geldes Kunst und Kasse in Einklang zu bringen?

Roth: Allerorten gibt es Konflikte zwischen Kultur und Kommunalpolitik, wenn das Thema Geld berührt ist. Aber man geht dann nicht mit diesem Spannungsverhältnis so dilettantisch um wie hier, indem man weiteren Unfrieden schafft und die Konflikte noch weiter verschärft. Da sind Verständnis, Gelassenheit und Souveränität gefordert. Man löst die finanziellen Probleme doch nicht dadurch, jemanden fristlos rauszuschmeißen und damit den Ruf einer Institution zu schädigen. Am Ende dürften die nächsten Festspiele ohne Holk Freytag teurer werden als die Festspiele ohne ihn.

Was erwarten Sie für die Suche nach einem neuen Intendant?

Roth: Es wird wohl einen neuen Intendant und es wird auch ein neues Ensemble geben. Die haben eine Chance verdient. Aber ursprünglich war geplant, die Zeit bis zu Freytags regulärem Vertragsende 2016 zu nutzen, um in Ruhe und unter Beteiligung von Sachverstand ein zukunftsfähiges Konzept für das Kulturangebot in Bad Hersfeld zu erarbeiten: mit den Theater- und Opernfestspielen als Kern sowie dem Kulturengagement freier Träger und der Vereine. Das ist eine vertane Chance. Jetzt muss alles mit heißer Nadel gestrickt werden.

Von Marcus Janz

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